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Wie geht es nun weiter?

Wie geht es nun weiter?.

Ein Virus hat unser Leben im Griff.

(gd) Neugraben. In den vergangenen Tagen und Wochen wurden in Deutschland schrittweise wieder Schulen und Kindertagesstätten geöffnet, Krankenhäuser stärker belegt, Hotels, Gaststätten und der Einzelhandel unter bestimmten hygienischen Bedingungen in Betrieb genommen sowie insgesamt die Waren- und Dienstleistungsproduktion wieder erhöht. Und doch wird es nicht einfach wieder so, wie es vor der Corona-Krise war. Nicht nur wegen der weltweiten Rezession, die auch in Deutschland zu Arbeitslosigkeit und sozialen Verwerfungen führen wird. Die zentrale Frage lautet also, um es mit den Worten von Udo Lindenberg zu sagen: „Hinterm Horizont geht’s weiter“ – nur wie? Machen wir weiter wie bisher oder nutzen wir die Erfahrungen aus der Krise.
Sorgen um den Arbeitsplatz, Kurzarbeit, einbrechende Umsätze bei den Unternehmen: – die Corona-Pandemie bremst die Hamburger Wirtschaft so stark aus wie keine andere Krise der vergangenen Jahrzehnte. Jetzt sehen wir, wie fragil unsere Wirtschaft ist, wie abhängig wir sind davon, dass ein Rad ins andere greift. Weil nicht geflogen wird, braucht auch niemand neue Flugzeuge. Zehntausende Menschen in der eben noch hochgelobten Vorzeigebranche Flugzeugbau in Hamburg bangen um ihre Jobs. Anderswo stehen Fließbänder still, Speditionen haben nichts mehr zu transportieren, Reinigungskräfte werden – trotz verschärfter Hygienevorschriften – weniger gebraucht. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Dass die Beschränkungen, die auf Basis des Infektionsschutzgesetzes angeordnet wurden, noch einmal verschärft werden, ist momentan sehr unwahrscheinlich. Die zurückliegenden Tage haben gezeigt, dass die Kontaktbeschränkungen wirken. Dennoch ist eine vorübergehende Rückkehr zu strengeren Regeln langfristig nicht ausgeschlossen.
Das Virus hat einen enormen Einfluss auf unseren Alltag genommen – privat und beruflich. Wer hätte gedacht, dass in Zeiten von Corona der Einkauf im Supermarkt zum Highlight des Tages werden könnte?
Um die Stimmung im Handel und Dienstleistungsgewerbe einzufangen, hat Der Neue RUF einige Mitglieder des Förderverein Neugraben befragt: „Wie haben Sie die zurückliegenden Wochen überstanden – und was erwarten Sie geschäftlich oder beruflich in der näheren Zukunft?“
Stephanie Beier, Geschäftsführerin bei Warncke’s EDEKA Frischecenter in Neugraben: „Geschäftlich haben wir während des Lockdown keinen großen Schaden genommen. Probleme hat uns nur das Kaufverhalten einiger Kunden bereitet, die sogenannten Hamsterkäufe. Wir sahen uns gezwungen, auch im Großhandel und bei anderen Händlern für Nachschub zu sorgen, da unsere Zentrale zeitweilig der Nachfrage nicht standhalten konnte. Ernsthafte Sorgen haben wir uns um unsere Mitarbeiter gemacht. Doch zum Glück sind dank zahlreicher Maßnahmen alle gesund geblieben. Unser Lieferservice hat sich übrigens sehr bewährt. Daher werden wir ihn noch weiter ausbauen. Jetzt werden wir erstmal abwarten, wie es weitergeht.“
Die stellvertretende Pflegedienstleiterin der Sozialstation des Arbeiter-Samariter-Bundes Süderelbe, Beate Kassner erklärt: „Natürlich musste es bei uns auch während der letzten Wochen weitergehen. Es herrschte anfangs aber eine gewisse Anspannung und Sorge, das Virus unter Umständen nicht noch auf einen der Kunden oder Mitarbeiter, vielleicht sogar auf einen Familienangehörigen, zu übertragen. In einigen Fällen – dort, wo es möglich war – wurden die Kontakte zu den Kunden, speziell bei der Haushaltspflege, auf ein Minimum reduziert. Unsere Kunden gingen bisher sehr entspannt mit der Situation um, zumal im Pflegedienst schon immer sehr hohe Hygienemaßnahmen getroffen wurden. Eine Abstandsregelung ist in unserem Beruf nun mal nicht möglich. Regelmäßig erhalten wir Informationen vom Robert-Koch-Institut und sehen den Lockerungen gespannt entgegen. Langsam können wir auch wieder unsere Dienstbesprechungen aufnehmen und dürfen wohl bald die Eingangstüren zu unserer Sozialstation wieder öffnen.“
Hans-Georg Nordhausen, Inhaber des gleichnamigen Unternehmens für Raumgestaltung, verrät: „Da unser handwerklicher Bereich vom Lockdown zum Glück nicht betroffen war, sind unsere finanziellen Einbußen überschaubar. Unsere Verkaufs- und Ausstellungsräume mussten natürlich für drei Wochen geschlossen bleiben. Die im Verkauf tätigen Mitarbeiterinnen wurden vorübergehend in Kurzarbeit geschickt, zeigten aber auch großes Verständnis für diese Maßnahme.“ Der Geschäftsmann selbst nutzte die Zeit, endlich mal die administrativen Dinge und Büroarbeiten zu erledigen, die man sonst immer gern vor sich herschiebt, wie er selber sagt. „Das Thema Corona hat unser Unternehmen bisher relativ gering beeinflusst. So bleibt uns die Hoffnung, dass sich alles bald wieder zum Besseren wendet und die Geschäfte wieder normal laufen. Vielleicht überlegt sich der eine oder andere Kunde sogar, das Geld aus der Reisekasse jetzt in seine Wohnung oder sein Haus zu investieren.“
Kun Shien Lee, Betreiber des Chinarestaurants Lily im SEZ, lächelt die Sorgen und Probleme auf charmant asiatische Art und Weise einfach weg. „Unsere Kunden und Freunde haben uns von Anfang an sehr unterstützt. Der Außer-Haus-Verkauf und Lieferservice wurde von unserer Kundschaft sehr gut angenommen. Wir mussten zwar einen deutlichen Umsatzeinbruch hinnehmen, sind aber doch noch mit einem blauen Auge davon gekommen“, erklärt der Gastronom. Jetzt schaut er sogar wieder sehr optimistisch in die Zukunft: „Wir müssen uns jetzt der Situation anpassen, das heißt, selbstverständlich müssen alle behördlichen Auflagen eingehalten und erfüllt werden. Das dient sowohl dem Schutz unserer Gäste als auch dem meiner Mitarbeiter und natürlich mir selbst.“ Großen Respekt zollt Kun Shien Lee vor allem den Experten und politischen Entscheidungsträgern, die in dieser Krise sehr verantwortungsvoll gehandelt haben. Es zeigt sich aber auch, dass die Verantwortung, etwas zu ändern, gleichzeitig bei jedem einzelnen von uns liegt – egal, ob Konsument, Dienstleister oder Händler.

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Drei Krankenhaus-Patienten im April gestorben

Drei Krankenhaus-Patienten im April gestorben.

Differenzen zwischen Asklepios und KerVita wegen Corona-Ausbruch.

Die Nachricht schlug Ende vergangene Woche wie eine Bombe ein: In der Asklepios-Klinik Harburg am Eißendorfer Pferdeweg war Anfang April ein unerwarteter Corona-Ausbruch zu verzeichnen. Das berichtetet Spiegel-Online. Demnach soll ein mit dem Covid-19-Virus infizierter Patient mehrere Tage in der Urologie behandelt worden sein, ohne dass die Infektion des Patienten bekannt gewesen sei. Die nicht überraschende Folge: Vermutlich mehrere Patienten und auch fünf Mitarbeiter des Krankenhauses haben sich angesteckt. Schlimmer noch: Drei Patienten, darunter eine nur 50 Jahre alte Frau verstarben, weil sie sich unter Umständen im Krankenhaus angesteckt haben, so der Spiegel weiter. Diese Patienten seien Anfang April aus dem KerVita-Pflegeheim in Wilhelmsburg in die Harburger Klinik gebracht worden, so der Spiegel weiter.
Mathias Eberenz, Asklepios-Pressesprecher Konzernbereich Unternehmenskommunikation & Marketing: „Die Klinik hat erst mit großer Verspätung von einer möglichen Covid-19-Infektion erfahren. Die Infektionskette hätte demnach gar nicht erst entstehen müssen, wenn die Klinik einen Hinweis auf einen Corona-Verdacht gleich bei Einlieferung des Patienten bekommen hätte. Es ist aber gelungen, die Situation gut zu handhaben und die Zahl der Infizierten stark zu begrenzen. Inzwischen sind nur noch zwei Mitarbeiter infiziert (von mehr als 2.000, die in der Klinik insgesamt tätig sind), und die zwischenzeitlich in Quarantäne gestellten Ärzte und Pflegekräfte sind mittlerweile alle zurück im Dienst. Die erkrankten Mitarbeiter haben zudem nur leichte Symptome entwickelt.“
In der Diskussion um Corona-Infektionsfälle im Asklepios-Klinikum Harburg erhebt die Geschäftsführung der KerVita-Gruppe ihrerseits deutliche Vorwürfe gegen das Krankenhaus. Eine Woche lang seien Patienten und Mitarbeiter trotz bekannter Infektionsfälle in der Klinik nicht informiert oder geschützt worden. Nun versuche das Klinikum Harburg, die Verantwortung für bekanntgewordene Infektionen im Nachgang einer Pflegeeinrichtung zuzuschieben. „Bereits seit dem 30. März 2020 war im Asklepios-Klinikum Harburg bekannt, dass ein Patient aus einem Senioren-Zentrum mit Verdacht auf Covid-19 eingeliefert und dann positiv im Labor des Klinikums getestet worden war“, sagte der Sprecher der Geschäftsführung der KerVita-Gruppe, Knud Riebschläger, und fuhr fort: „Bereits dieser Patient wurde in voller Schutzausrüstung mit einem Rettungswagen in das Klinikum gebracht. Die im Krankenhaus festgestellte Infektion war der erste Covid-19-Fall in der Einrichtung, die sich schon frühzeitig mit einem strikten Besuchsverbot abgeschirmt hatte. Am 31. März 2020 wurde dann erneut eine Patientin in voller Schutzmontur mit Verdacht auf Covid-19 in das Krankenhaus verlegt. Das positive Testergebnis lag dem Klinikum noch am selben Tage vor. Die Patientin wurde wenig später auf Veranlassung des Krankenhauses zurück in die Pflegeeinrichtung verlegt – erneut in voller Schutzausrüstung. Dem Krankenhaus war die Infektion bewusst. Es wurden danach aber weder andere Patienten oder Mitarbeiter informiert, noch die eigenen Schutzmaßnahmen hochgefahren, auch nicht, nachdem die Bewohnerin am 4. April 2020 erneut in das Klinikum eingewiesen wurde und dort laut Arztbericht sofort isoliert wurde. Auch dies zeigt, dass die Problematik eines Covid-19-Falles im eigenen Haus dem Asklepios-Klinikum Harburg bekannt war. Aber erst, nachdem knapp eine Woche später bei weiteren Patienten positive Testergebnisse vorlagen, hat das Krankenhaus reagiert“, stellt Riebschläger fest.
In der Folge habe das Klinikum die Infektionen damit zu begründen versucht, „dass die Pflegeeinrichtung bei der späteren Einlieferung eines Bewohners nicht ausreichend deutlich auf einen Sars-CoV-2-Verdacht hingewiesen hätte. „Natürlich überprüfen wir fortlaufend alle Abläufe in der Einrichtung, können uns aber in dieser für alle anspruchsvollen Situation auf die Arbeit unserer Pflegenden verlassen, die das Rettungswagen-Team entsprechend informiert haben“, sagt Riebschläger, dessen Gruppe die Pflegeeinrichtung betreibt. Auch von einer zögerlichen Information könne keine Rede sein: Das endgültige Testergebnis für den betreffenden Patienten sei am 6. April unverzüglich an das Krankenhaus weitergeleitet worden, nachdem es erst auf Nachfrage der Pflegeeinrichtung per Fax aus der Arztpraxis eingetroffen war, die den Test im Labor beauftragt hatte. Riebschläger weiter: „Fakt bleibt vor allem, dass es im Klinikum schon eine Woche zuvor zwei bestätigte Infektionsfälle gab und Asklepios selbst diese Patienten unter entsprechenden Schutzmaßnahmen wieder zurück in unsere Einrichtung verlegt hat. Später dann zu behaupten, man habe nicht wissen können, dass eine Neueinlieferung von dort als Verdachtsfall behandelt werden müsse, ist haarsträubend. Hier versucht ein großer Krankenhauskonzern, eigene Versäumnisse durch lautstarke Vorwürfe an ein Pflegeheim zu überdecken.“
Eberenz jedoch bleibt dabei: „Die im „Spiegel“ berichtete Darstellung des Pflegeheimbetreibers weisen wir ausdrücklich zurück. Die Rettungswagenbesatzung ist nach unserem Wissenstand nicht über den Corona-Verdacht informiert gewesen. Im Übergabeprotokoll für unsere Klinik wäre ein Infektionsverdacht mit Sicherherheit vermerkt worden; dort steht aber nichts davon. Unmittelbar nach Kenntniserlangung haben die Kollegen in der Klinik die Infektionswege nachverfolgt. Grundsätzlich wurden und werden alle positiv auf das neue Coronavirus getesteten Patienten und Mitarbeiter direkt ans Gesundheitsamt gemeldet. Alle Mitarbeiter und Patienten wurden in der Folge „abgestrichen“, also getestet. Es wurden selbstverständlich entsprechende Maßnahmen zur Isolierung/Quarantäne der betroffenen Mitarbeiter und Patienten eingeleitet. Die betroffenen Stationen wurden geschlossen.“ Und: „Alle Beteiligten in der Klinik haben sich korrekt verhalten, sie haben sich an die Vorgaben des Krisenmanagements gehalten.“

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Altenheim evakuiert

Am Freitagnachmittag, 17. April, wurde das Altenheim in der Neuenfelder Straße evakuiert. Laut Medienberichten war dort Ende März das Coronavirus ausgebrochen, fünf Bewohner sind verstorben, rund 70 hatten sich infiziert. Rund 30 Nicht-Infizierte wurden demnach freiwillig aus dem Altenheim geholt und auf verschiedene Krankenhäuser verteilt. Dort verbleiben sie 14 Tage in Quarantäne und werden medizinsch betreut.