„Wir sind einen guten Weg gegangen“

Grün-Weiss/pm -Die Gründungsmannschaft (Fußball) des Turn- und Sportvereins Sinstorf am 6. April 1933

„Wir sind einen guten Weg gegangen“.

50 Jahre seit der Gründung von Grün-Weiss Harburg.

Der Sportverein Grün-Weiss Harburg hatte in diesem Jahr eigentlich Großes vor. Sein 50. Jubiläum wollte er feiern: am 8. August mit einem öffentlichen Empfang und am 14. August mit einer internen Feier für die Mitglieder. Daraus ist nun zum Bedauern des Jubilars und der Beteiligten nichts geworden. Wegen der Corona-Pandemie mussten alle Feierlichkeiten abgesagt werden. Von der Öffentlichkeit ganz unbemerkt sollte dieses Ereignis aber nun doch nicht vorübergehen. Deshalb hatte der Vorstand am Gründungstag von Grün-Weiss, dem 24. Juni, als vor einem halben Jahrhundert der Zusammenschluss zweier Vereine vertraglich auf einer gemeinsamen, außerordentlichen Mitgliederversammlung im Sinstorfer Gasthaus August Derboven (geschlossen vor etwa 20 Jahren) beschlossen wurde, zu einem formlosen coronagerechten Abend in das Vereinsheim am Langenbeker Weg eingeladen. „Wir sind hier zusammengekommen, um an den Zusammenschluss des TSV Sinstorf (vormals TuS) mit dem VfL Marmstorf zu erinnern“, sagte Rainer Bliefernicht, heute 1. Grün-Weiss-Vorsitzender. Die besonderen Gäste des Abends waren die beiden Gründungsvorsitzenden Günter Halle (VfL Marmstorf) und Karl-Heinz Aue (TSV Sinstorf), zwei Herren weit über 80. Günter Halle war geschlagene 31 Jahre (bis 2001) Grün-Weiss-Vorsitzender. Nach nur sechs Monaten konnten die beiden vermelden: Die Fusion ist in trockenen Tüchern.
Bliefernicht blickte zunächst in die Vergangenheit. Man schrieb das Jahr 1965. Mit der Einweihung der Marmstorfer Turnhalle am Ernst-Bergeest-Weg, die aktuell vor einer Erneuerung steht, wurde der Turbo für den VfL gezündet. Mit dem Bau der Sporthalle stieg die Mitgliederzahl des VfL von etwa 130 Mitglieder, in kürzester Zeit auf über 500, zahlreiche Sparten wurden ins Leben gerufen, „ein Muss bei der rasant gestiegenen Mitgliederzahl“, die bis 1970 auf 1000 stieg, so Bliefernicht. Besonders die Fußballabteilung sorgte für einen gewaltigen Anstieg in der Mitgliederzahl. Tanzen und Basketball fanden großen Zuspruch. „Diese Sparten sind auch heute aktuell und ein Teil des Fundamentes unseres Gesamtvereins“, erläuterte der 1. Vorsitzende. Ähnlich war es beim etwas kleineren TSV Sinstorf mit seinen 250 Mitgliedern im Jahr 1970.
So eine Fusion ist nicht immer einfach. Es gab natürlich Widerstände in der Mitgliederschaft, auch weil damals die „Dorfgrenzen“ noch viel ausgeprägter waren als heute. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz von 1. April 1937 hatte Hamburg unter anderem die Landgemeinden Marmstorf und auch Sinstorf geschluckt, die Bürger verloren ihre Selbstverwaltung. Das wirkte natürlich noch nach. „Der Identifikationsverlust und die althergebrachten typischen Rivalitäten zwischen den Dörfern taten ihr Übriges“, wusste der Vorstandsvorsitzende zu berichten und betonte ausdrücklich: „Umso größer war auch bei ihm die Freude, dass wir die beiden 2. Vorsitzenden der damaligen Zeit, Karl-Heinz Aue (seit 57 Jahren Mitglied im Verein) und Günter Halle, heute nochmal unseren Dank aussprechen können, dass es zu dieser Fusion gekommen ist.“ Unter den genannten Umständen eigentlich ein Wunder.
Bei dem Zusammenschluss hatte man den ganz großen Wurf mit drei Vereinen im Blick. Die Gespräche zwischen den Vorständen von Rasensport Harburg mit dem VfL und dem TSV scheiterten jedoch. Wie bekannt, fusionierten später Rasensport Harburg mit Borussia Harburg Umso größer ist die Dankbarkeit von Grün-Weiß Harburg vor diesem Hintergrund, dass die Vorstände, mit großer und tatkräftiger Unterstützung von Günter Halle und Karl-Heinz Aue es geschafft haben, Sinstorf und Marmstorf zusammen zu führen. Das Zusammenführen dieser beiden Vereine war der Grundstock zum Entstehen von Harburgs größtem Sportverein, zumindest was die Mitgliederzahlen anbelangt. Bliefernicht: „Wenn wir den Bezirk Harburg einschließlich Süderelbe zu Grunde legen, sind wir hinter dem HNT der zweitgrößte Sportverein.“
Karl-Heinz Aue und Günter Halle (beide Fußballer) berichteten ihrerseits über ihre Zeit an der Spitze des neu gegründeten Grün-Weiss, über Schwierigkeiten, Begeisterung und Probleme, die man stets gemeinsam gelöst habe. Nicht zuletzt ließ sich Aue auch über den HSV aus, dabei sollte das blamable 1:5 gegen Sandhausen erst noch kommen.
„Ihr seid ein leuchtendes Beispiel für den Einsatz eurer Freizeit“, fuhr Bliefernicht fort und überreichte den beiden ihr Ehren-Zertifikat „anlässlich des hunderjährigen Bestehens“ (denn der VfL war schon 1920 gegründet worden) und in Anerkennung der Leistung, zwei Vereine zusammengeführt zu haben. „Für diese gemeinnützige und somit auch gesellschaftlich wichtige Aufgabe zur Erhaltung der Gesundheit der Harburger Bevölkerung durch den Sport ein herzliches Dankeschön.“ Halle, gesundheitlich etwas angeschlagen, kam an diesem Tag nur langsam in Fahrt, ließ aber dann seinen Erinnerungen freien Lauf um dann festzustellen: „Grün Weiss ist ein Vorzeigeverein geworden.“ Und Karl-Heinz Aue betonte ausdrücklich: „Die Gründung von Grün-Weiss war das Lebenswerk von Günter Halle.“
Ihre gemeinsame Bilanz: „Wir sind einen guten Weg gegangen.“ Für seine Verdienste ist Halle bereits mit der goldenen Ehrennadel mit Brillant nebst Siegelring ausgezeichnet worden. Er würde sie gerne an einen Nachfolger weiter geben.
Aus der Gründungszeit gibt es übrigens noch einen Trimm-Dich-Pfad rund um die Scharfsche Schlucht. Er ist heute nur noch in Fragmenten zu erkennen. Eine Ertüchtigung wurde leider bisher vom Bezirk nicht vorgenommen, bedauert Bliefernicht.



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