„Ich habe dieses Ehrenamt gesucht“

Die Malteser suchen derzeit weitere Ehrenamtliche die Sterbebegleiter in Wilhelmsburg werden möchten. Foto: Mirko Honnens

„Ich habe dieses Ehrenamt gesucht“.

Malteser suchen ehrenamtliche Sterbebegleiter.

Frauke Hamann trifft einmal in der Woche Sterbende. Sie ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin. Nicht ein persönlicher Schicksalsschlag hat sie dazu gebracht, sondern: „Ich habe dieses Ehrenamt gesucht“, sagt sie. Ihr ist es wichtig, Empathie für Menschen am Lebensende zu zeigen und diese Fähigkeit bei sich wachzuhalten. „Ich beschäftige mich intensiv damit, dass der Tod zum Leben gehört, dass ich endlich bin, dass ich selbst irgendwann einmal andere Menschen brauchen werde und dass das Sterben einsam geschehen kann. Da möchte ich meine kommunikativen Erfahrungen einbringen“, sagt Hamann, die als freie Journalistin und Lektorin in Hamburg arbeitet.
Die Malteser suchen derzeit weitere offene, tolerante Menschen, die sich vorstellen können, Sterbende im Malteserstift St. Maximilian Kolbe in Wilhelmsburg zu begleiten. Die Malteser laden dazu ein zum Infoabend am Dienstag, 29. September um 18.30 Uhr im Malteserstift St. Maximilian Kolbe, Krieterstraße 7. Der Sterbebegleiter-Kurs startet am Freitag, 23. Oktober. Im Kurs lernen die angehenden Sterbebegleiter, sich in Sterbende einzufühlen.
„Wilhelmsburg ist der flächenmäßig größte Stadtteil Hamburgs, aber es gibt keine hospizlichen Angebote, das konnte ich anfangs gar nicht glauben“, sagt Silke Steven. Die 46-Jährige koordiniert die Hospizarbeit der Malteser in Wilhelmsburg. „57 Prozent der Wilhelmsburger haben einen Migrationshintergrund, davon haben die allermeisten türkische und muslimische Wurzeln, deswegen setzen wir mit unserem Hospizdienst den Schwerpunkt, vor allem diese Menschen zu erreichen“, so Steven. Dieser Ansatz sei neu in Hamburg: „Das bedeutet nicht Multikulti, sondern wir nehmen als katholische Organisation Rücksicht auf eine andere Kultur, bringen aber auch unsere eigene ein.“ Dabei gehe es um Unterschiede in der Sozialisation, ein anderes Wertesystem, Rituale und Traditionen, die für den jeweiligen Menschen bedeutend sind. Das interkulturelle Konzept besage, dass jeder eine Kultur habe und diese behalten dürfe, ohne sich anpassen zu müssen.
Einen ambulanten Hospizdienst in Wilhelmsburg aufzubauen, sei gar nicht so einfach, sagt Steven. „Das Wort Ehrenamt gibt es beispielsweise im Türkischen nicht. In muslimischen Familien sieht die Familie die Sorge um den Sterbenden als ihre Pflicht an.“ Es sei nicht so, dass der Bedarf nicht da wäre. „Die Familien sind heute nicht mehr so traditionell, auch Frauen arbeiten. Wir möchten darauf hinarbeiten, dass die Familien unser Angebot annehmen. Das macht das Vorhaben besonders spannend.“ Die meisten Menschen mit Migrationshintergrund in Wilhelmsburg würden am Lebensende aber immer noch von ihren Familien gepflegt. „Unser Ziel ist es, diese Menschen zu Hause zu begleiten.“ Es sei durchaus noch üblich, dass Angehörige ihre Sterbenden bis zur totalen Erschöpfung pflegten. „Deswegen möchten wir besonders Menschen anderer Kulturen begleiten.“ Sie würde sich daher sehr freuen, wenn sich auch Menschen mit muslimischen Wurzeln für ein Ehrenamt in der Sterbebegleitung entscheiden würden.



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