Kommt nun der große Wurf?

Alleine die Instandsetzung der Bushaltestellen kostet laut Experten rund 905.000 Euro.Fotos: W. Marsand

Kommt nun der große Wurf?
S-Bahnhof: Bau-Dezernat stellt neue Planungen vor

Der triste Bahnhofsvorplatz

mk) Neugraben. Seit Jahren ist an dieser Stelle immer wieder über eine mögliche Modernisierung des in die Jahre gekommenen Neugrabener S-Bahnhofes geschrieben worden. Hintergrund waren Gutachten und Modelle von Städteplanern, die im Stadtplanungsausschuss von ihren Machern mit großem Engagement vorgestellt wurden. So ambitioniert die Planungen, so kläglich die Ergebnisse: beinahe nichts. Außer Spesen nichts gewesen. Zudem stellte sich he­raus, dass mit der Bahn AG als wichtigsten Protagonisten seitens der staatlichen Stellen keine abschließenden Vereinbarungen getroffen worden waren.
Nun zirkuliert ein Papier aus dem Hause des Baudezernenten Jörg-Heinrich Penner, in dem auf eine neue Planung des Busbahnhofes ausgehend von der alten, aber verworfenen Planung abgehoben wird. Eigentlich hatte die Bezirksversammlung am 1. November mehrheitlich finanziellen Mitteln in Höhe von 1,1 Millionen Euro zur teilweisen Erneuerung des Komplexes zugestimmt. „Um die funktionale und gestalterische Situation am Bahnhofsumfeld zu verbessern, wurden zunächst Teilräume identifiziert, die einer ggf. späteren erweiterten Umplanung am Neugrabener Bahnhofs nicht entgegenstehen. Die Teilmaßnahme umfasst die Aufwertung der Wegeverbindung südlich der Straße Am Neugrabener Bahnhof und nördlich der Cuxhavener Straße (Wegeverbindung unterhalb der Brücke), die Neugestaltung der Fahrradanlage am Bahnhof, die Verbesserung der Beschilderung und Beleuchtung, die Erneuerung der Bushaltestellenflächen mit verbesserter Anfahrbarkeit und den Einbau von taktilen Elementen, heißt es in einer Berichtsvorlage zum Projekt Bahnhofs­umfeld Neugraben im Rahmen der Integrierten Stadtteilentwicklung Zentrum Neugraben.
Aber daraus wird wohl nichts. In dem von Dierk Trispel gezeichneten Schreiben wird auf Neuigkeiten hingewiesen, die es in sich haben. Zwischenzeitlich liege nämlich laut des Penner-Dezernates ein Vorentwurf des Planungsbüros Bruun & Möllers für die Aufwertung der Wegeverbindung südlich der Straße Am Neugrabener Bahnhof und nördlich der Cuxhavener Straße – Wegeverbindung unterhalb der Brücke – vor. Was in dem Vorentwurf stand, ließ beim Baudezernenten die Alarmglocken läuten: „Zum Teilraum Bushaltestellenflächen wurden, auf der Basis der aufgenommen Schäden und Kostenschätzung durch MR 2, Mittel in Höhe 300.000 Euro für die wertige Erneuerung der Bushaltestellenbereiche vorgesehen. Die Untersuchung mittels einer Tiefenbohrung hat nun ergeben, dass der gesamte Untergrund so stark beschädigt ist, dass eine Grundinstandsetzung mit neuem Unterbau erforderlich ist. Zudem plant der HVV vor dem Hintergrund des erhöhten Fahrgastaufkommens den Einsatz von Gelenkbussen. Die Bushaltebuchten müssen für die Anfahrbarkeit der Gelenkbusse überplant und neu geordnet werden“, heißt es seitens des Bau-Dezernates.
Das beauftragte Büro ARGUS, so das Bau-Dezernat weiter, habe die Kosten des Vollausbaus der Busspuren und aktualisierter Mengen- und Kostenberechnungen mit 905.000 Euro ermittelt. Bei dieser Planung entstünde aber nur ein minimaler funktionaler Mehrwert gegenüber der heutigen Situation – im Gegenteil würde diese Investition die städtebaulich unbefriedigende und unübersichtliche Gestaltung des Busbahnhofs und die fehlende Aufenthaltsqualität für die nächsten Jahrzehnte zementieren.
Angesichts dieser Kostenexplosion nahm das Bau-Dezernat die Planung selbst in die Hand: „Angesichts der erheblichen Kosten für diese Grundsanierung ohne relevanten funktionalen und städtebaulichen Mehrwert wurde der Busbahnhof vom Baudezernat überplant. Hierfür wurden vergleichende Berechnungen vorgenommen – ausgehend von der ursprünglichen Planung zum Bahnhofsvorplatz 2011/2012. Die Kosten eines neuen Busbahnhofs mit großzügiger Mittelinsel werden auf 2.225.000 Euro geschätzt und bleiben damit deutlich unter den Kosten der verworfenen Planung von 2012, deren Realisierung unter Berücksichtigung der Kostensteigerungen seit 2012 heute ca. 4.250.000 Euro kosten würde.“ Mit der favorisierten Variante solle die „Zerschneidung“ der Busanlage, erklärt das Bau-Dezernat, durch Verlegung der mittleren Individualverkehrstrasse auf die Südseite einer neuen Businsel unterbunden und die Abfahrtsbereiche so kompakter organisiert bzw. Umsteigebeziehungen verkürzt werden. Buslinien können aus der westlichen Cuxhavener Straße kommend, direkt über die Straße Am Neugrabener Bahnhof zufahren. Umwegfahrten über den Süderelbebogen werden dadurch vermieden. Die Querungsstellen werden von heute drei auf zwei reduziert. Somit seien auch weniger Konfliktpunkte gegeben. Die Businsel solle auch für Gelenkbusse bemessen werden.
Erste Gespräche des Bau-Dezernates mit der BWVI und der Hochbahn zu den zukunftsfähigen Anforderungen und zu der Bereitstellung der erforderlichen Mittel seien schon geführt worden. „Auf Basis des Gesprächs bei der Hochbahn wurde die Vorplanung überarbeitet, und in einem Gespräch mit der BWVI wurde entsprechende Unterstützung signalisiert. Ein abschließendes Ergebnis hierzu liegt noch nicht vor. Dieses soll auf einer mit den bezirklichen Gremien abgestimmten Planung aufbauen. Dazu wird das Baudezernat die vorliegenden Planungen im nächsten Hauptausschuss (als Ferienausschuss für den Regionalausschuss Süderelbe) vorstellen. Die Verwaltung wird den Hauptausschuss um Zustimmung bitten, damit auf dieser Basis die notwendigen Mittel bei der BWVI eingeworben werden können“, kündigt das Bau-Dezernat an.