Faible für Veränderungen und den Verfall alltäglicher Dinge

pm -Edith Dekynd (2.v.l.) nahm den Kunstpreis aus den Händen von (v.l.) Michael Westhagemann Ina Günther und Georg Mecke entgegen.

Faible für Veränderungen und den Verfall alltäglicher Dinge.

Kunstpreis Finkenwerder für Edith Dekyndt.

Die belgische Künstlerin Edith Dekyndt ist bei Airbus mit dem Kunstpreis Finkenwerder 2019 ausgezeichnet worden. Der Preis, der zum zehnten Mal verliehen wurde, zählt zu den höchstdodierten Kunstauszeichnungen Europas.
Edith Dekyndt hat ein Faible für Veränderungen und den Verfall der ganz alltäglichen Dinge, ihre Installationen, Objekte und Videos sind Versuchsanodnungen, die physikalischen Gesetzen folgen und dabei eine fragile Schönheit entfalten. Gern experimentiert sie mit Leinwänden und Stoffen, präpariert Fahnen, Vorhänge und andere Stoffe. Die Künstlerin, die in Brüssel und Berlin lebt, interessiert sich für Wechselwirkungen und stellt sie in gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Werke sind weltweit in renommierten Ausstellungen und Sammölungen präsent. In diesem Jahr wird Edith Dekyndt an der „Bienalsur“ in südafrika teilnehmen.
Der Airbus-Standortleiter und Gastgeber Dr. Georg Mecke blickte aus Anlass der diesjährigen Preisverleihung zunächst zurück: „…. Darum ist es eine schöne Tradition, dass sich hier bei Airbus, im Herzen des Flugzeugbaus, alle zwei Jahre Menschen treffen, um Kunst zu betrachten und darüber zu diskutieren.“ Ein Grußwort sprach auch der Wirtschaftssenator Michael Westhagemann. „Mit dem Kunstpreis Finkenwerder gelingt der Schulterschluss zwischen Kunst und Wirtschaft, zwischen global agierenden Akteuren und lokalem Engagement. Ich freue mich, dass dieser für Hamburg so wichtige Kunstpreis dank privatwirtschaftlicher Kunstförderung möglich wird“, führte der Senator aus.
Die Laudatio hielt Katja Schroeder, Künstlerische Leitung des Kunsthauses Hamburg. Sie sagte einleitend: „Die Geräusche der vorbeiziehenden Flugzeuge, die sie hier in der Halle heute hören konnten, stammen ausnahmsweise nicht von Airbus-Maschinen, sondern sie sind Teil eines Kunstwerks, das die Preisträgerin hier präsentiert. Unter dem Titel „Monday is Blue“ hat sie bereits 2012 diese Arbeit realisiert, bei der sie die Schallwellen des Lärms vorbeiziehender Flugzeuge mit spezifischen Frequenzen von Licht synchronisiert. Was auf den Bildschirmen zu sehen ist, ist weniger ein Video, als vielmehr eine Sequenz farbigen Lichts, dessen Komposition sich rein an den Höhen und Tiefen der Schallwellen orientiert.“ Es falle schwer, die Kunst von Edith Dekyndt einer klassischen Kunstgattung wie Bildhauerei, Malerei oder Videokunst zuzuordnen, fuhr sie fort, weil keiner der Begriffe wirklich für ihre Arbeit tauge, selbst wenn alle drei Medien nicht ohne Bedeutung für sie seien. Mit dem etwas nebulöseren Begriff der Konzeptkunst käme man ihrem Schaffen vielleicht aber schon etwas näher, ohne es in seiner Gänze zu erfassen. Wie auch, bei einer Küntslerin, die mit Falten zeichnet oder mit gefrorener Milch fragile Skulpturen formt. Schroeder weiter: „Wenn ich Edith Dekyndt als Feldforscherin bezeichne, dann möchte ich zum Ausdruck bringen, dass der Moment des Beobachtens häufig wichtiger ist, als das Herstellen von Erkenntnissen oder das Produzieren von Kunstwerken.“ Der Zufall sei bei diesen Experimenten immer auch ihr wichtigster Komplize.
Der Kunstpreis Finkenwerder, ausgelobt vom Kulturkreis Finkenwerder und gesponsert von airbus, ehrt seit 1999 Künstler, die einen herausragenden Beitrag zur zeitgenössischen Kunst geleistet haben. Preisträger waren u.a. neo Rauch, Daniel Richter, Ulla von Brandenburg und Georges Adeagbo.
Die Preisverleihung im Airbus-Auslieferungszentrum „Jürgen Thomas“ moderierte Ina Günther vom Kulturkreis Finkenwerder. Anlässlich der Preisverleihung sind sowohl in der Hamburger Kunsthalle als auch im Kunsthaus Hamburg eine Ausstellung mit Arbeiten von Edith Dekyndt zu sehen. Unter dem Titel „The Black, The White, The Blue“ stellt sie im Kunsthaus (Klosterwall 15) bis zum 4. August vielfältige Bezüge zum Ort her, den sie sich vorab genau angesehen hat.



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