50 Jahre Ev. Familienbildung in Harburg

abywickelkurs – damals noch am Petersweg Foto: Archiv Familienbildung

50 Jahre Ev. Familienbildung in Harburg
Von Näh- und Handarbeitsschule zur Lebenshilfe

(pm) Harburg. 1967-2017: Die Evangelische Fmilienbildung Harburg blickt auf 50 Jahre Einsatz für Familien zurück. Die erste „Näh- und Handarbeitsschule“ in Deutschland wurde 1909 im Rheinland gegründet. In den 20er-Jahren wurden deutschlandweit viele Mütterschulen gegründet mit dem Ziel, Frauen Kenntnisse über Schwangerschaft, Geburt und Säuglingspflege zu vermitteln.

Daria Wolf, Leiterin der Ev. Familienbildung in Harburg
Foto: Winfried Mudigler
Kochen mit Flüchtlingen – ein aktuelles Angebot der Familienbildung Foto: Winfried Mudigler

 

1952 beauftragte die Evangelische Kirche Hanna Schüssler, die Evangelische Frauenarbeit in Hamburg aufzubauen. 1959 entstand infolgedessen die erste Mütterschule Hamburgs in Eppendorf am Loogeplatz. Es folgten Mütterschulen in Hamm-Horn, Niendorf/Lokstedt, Harburg, Rahlstedt, Blankenese und Poppenbüttel.
Die Harburger Mütterschule entstand 1967 in Heimfeld am Petersweg 1a in den Räumen der Pauluskirche. Ein Jahr später wurden auf dem Gebäude des Kindergartens eigene Räume für die Mütterschule gebaut: 250 Quadratmeter. Schon damals gab es ein Programmheft im heutigen Format. Darin standen die Veranstaltungen, z.B. „Erziehung, Beschäftigung und Pflege des Kleinkindes 1-3 Jahre, 4 Abende dienstags 19.30 bis 21.30 Uhr für 4 DM, Ehepaare zahlen 6 DM“ oder: „Mütter und ihre 4-7 jährige Kinder singen, spielen und basteln. 8 Dienstage von 10 bis 12 Uhr“.
In den 70er-Jahren veränderte sich die Einstellung zur Arbeitsteilung in Familien. Nicht mehr nur die Mütter waren verantwortlich für Kinder, sondern auch die Väter wurden einbezogen. Die Mütterschulen wurden 1974 daher bundesweit in Evangelische Familienbildungsstätte umbenannt. Seitdem bieten sie Lebenshilfe für alle Familienangehörige: Väter, Mütter, Großeltern, Kinder und alle Interessierte. Erstmals wird speziell um Väter geworben und es gibt eigene Gruppen für Männer und Väter. Die Räume wurden bald zu klein und die Familienbildung zog 1982 in das neuerrichtete Haus der Kirche in der Hölertwiete 5 um. „Seitdem“, so Daria Wolf, Leiterin der Evangelischen Familienbildung Harburg, stehen 750 Quadratmeter, auf zwei Etagen zur Verfügung, einschließlich einer großen Lehrküche und einer Sporthalle im Untergeschoss. Diese Räume werden bis heute genutzt. Seit 2009 kooperieren alle Evangelischen Familienbildungsstätten in einem Verbund: Es gibt eine gemeinsame Homepage (www.fbs-hamburg.de), ein einheitliches Design, gemeinsame Strukturen und inhaltliche Veranstaltungen.
Eine erneute Umbenennung in Evangelische Familienbildung (ohne -stätte) betont, erläutert Wolf weiter, „dass die Bildungsarbeit nicht nur in diesem Haus stattfindet, sondern auch in anderen Räumen, z.B. Kindergärten und Kirchengemeinden. Beratungen, Elterngespräche und Babykurse finden auch in Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden statt.“ Evangelische Familienbildung versteht sich als inklusives und generationsübergreifendes Angebot für alle Menschen. Sie ist offen für Frauen, Männer und Kinder, unabhängig von ihrer kulturellen, religiösen oder sozialen Herkunft. Träger der Evangelischen Familienbildung Harburg ist der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Hamburg-Ost. Zu ihm gehören außerdem die Familienbildungen in Hamm-Horn, Poppenbüttel und Eppendorf. Daher werden zur Zeit 44% der benötigten Mittel von der Kirche finanziert, 14% von der Stadt Hamburg und ca. 42% werden selber durch Teilnehmergebühren und Spenden erwirtschaftet. Vier Hauptamtliche sind in Teilzeit tätig mit einem Umfang von zwei Vollzeitstellen. 90 Dozentinnen und Dozenten leiten die Veranstaltungen und Kurse. Jährlich gibt es ca. 500 Veranstaltungen mit 5500 Teilnehmern. In den Anfangsjahren gab es nur Kurse für Mütter. Ab Mitte der 70er auch für Väter und Kinder. Heute werden Veranstaltungen für verschiedene Lebenssituationen (Familien mit Babys, mit Kindern, mit Jugendlichen…) angeboten. Früher wurde von Müttern und Vätern gesprochen, heute werden die vielfältigen Familienformen in den Blick genommen, unabhängig vom Familienstand, sexueller Ausrichtung oder der Anzahl der Erwachsenen. Daria Wolf nennt einige Beispiele: Schon mit sechs Wochen alten Babys kommen die Eltern zu uns. Vielen Mütter fühlen sich einsam, wenn sie den ganzen Tag über allein mit ihrem Baby zu Hause sind. Die Familienpsychologen sprechen von einer doppelten Reduktion: Eltern fühlen sich reduziert auf die Befriedigung der kindlichen Bedürfnisse. Alle anderen Aktivitäten und die Paarbeziehung werden auf ein Minimum reduzieren. Die Väter steigern in der Regel ihren beruflichen Einsatz, sobald ein Kind im Haus ist. Daher sind sie zu Hause kaum präsent und leiden selber unter diesem Widerspruch. Dafür werden so genannte DELFI®-Gruppen angeboten.
Seit 2016 bietet die Familienbildung in Erstaufnahmen von Harburg auch Sportkurse an und Veranstaltungen für geflüchtete Familien. Seit diesem Jahr gibt es außerdem ein monatliches Kochprojekt.