„Ich kann den Unmut gut verstehen!“

„Ich kann den Unmut gut verstehen!“.

Schnelltestzentren: Hatte der Senat Harburg nicht auf Rechnung?.

Seit dem 8. März ist es in Hamburg für alle Bürger möglich, sich kostenlos auf Corona testen zu lassen. In allen Bezirken führte die Sozialbehörde Testzentren auf, leider im Bezirk Harburg (also auch in Süderelbe) nicht. Dasselbe Bild gab es zunächst ebenfalls in den Stadtteilen Wilhelmsburg, Veddel oder Finkenwerder, die zum Bezirk Mitte gehören. Hier schauten die Bürger auch in die Röhre.
Groß war deshalb der Aufschrei, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Parteienlandschaft. War die Empörung bereits groß, als es im Bezirk Harburg kein Impfzentrum gab, so wird von vielen Bürgern die erneute Hintenanstellung der Harburger und Süderelber Bevölkerung als Affront angesehen. Die FDP reagierte auf die stiefmütterliche Behandlung des Bezirks Harburg. „Der Senat vergisst den Süden Hamburgs. Die hohen Infektionszahlen zeigen, dass der Bezirk Harburg dringend mehr Beachtung in der Corona-Bekämpfung benötigt. Alle Bürger, die in Hamburg südlich der Elbe leben, benötigen eine Test- und Impfmöglichkeit südlich der Elbe. Nur so kann gewährleistet werden, dass sich das Coronavirus nicht weiter ausbreitet. Ich finde es erstaunlich, dass die Sozialsenatorin Melanie Leonhard, die selbst im Bezirk Harburg lebt, sich nicht ausreichend um ihr Umfeld kümmert. Rund 240.000 Menschen leben in Hamburg südlich der Elbe, ich fordere Senatorin Leonhard auf, diesen wohnortnah ein Impfzentrum und mindestens ein Testzentrum zur Verfügung zu stellen“, erklärte der Kreisvorsitzende der FDP Süderelbe, Barnabas Crocker.
Auch die Linkspartei zeigte sich verwundert. „Es ist völlig unverständlich und inakzeptabel, dass Harburg vom Senat wieder einmal außen vorgelassen wird – gerade wo schnelles Handeln gefragt ist, bewegt sich der rot-grüne Senat im Schneckentempo und hat seit über einem Jahr den Bezirk Harburg nicht auf der Rechnung“, äußert Jörn Lohmann, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE. in der Harburger Bezirksversammlung sein Unverständnis über die Entscheidung.
Schon ein Impfzentrum südlich der Elbe hatte der Senat abgelehnt – und nun das. „Die Bürger*innen im Bezirk Harburg werden vom Senat offensichtlich als Bürger*innen zweiter Klasse angesehen, die man durch die ganze Stadt scheuchen kann – das darf so nicht weitergehen. Hier muss schnell gehandelt werden“, sagte Lohmann.
Unter der Woche reagierte die Sozialbehörde auf den Protest, der auch aus den eigenen SPD-Reihen laut Insidern nicht unerheblich gewesen sein soll. Zumal doch die Sozialsenatorin Melanie Leonhard aus dem Bezirk Harburg kommt. Die Sozialbehörde kündigte in ihrer Pressemitteilung an, dass Hamburg allen Bürgern ab dem 8. März einmal pro Woche eine kostenlose Antigen-Schnelltestung anbiete. „Hierfür bestehen auch im Bezirk Harburg eine Reihe von Möglichkeiten in Testzentren, Apotheken und Arztpraxen. Weitere Standorte werden zeitnah ergänzt“, erklärte die Sozialbehörde.
Gegenwärtig könnten Schnelltests in Harburg und Süderelbe bereits in sechs Apotheken durchgeführt werden, „dies sind die Feld-Apotheke Langenbek, die Fischbeker Apotheke, die Hansa-Apotheke, die Mühlen-Apotheke Neugraben, die Schäfer-Apotheke Hamburg und die Neuwiedenthaler Apotheke. Daneben besteht in mehreren Arztpraxen die Möglichkeit für Schnelltests. Die Kapazitäten hierfür variieren täglich, der aktuelle Stand ist online im Termminbuchungstool hinterlegt: Termine für Schnelltests in einer der Praxen können über die 116117 bzw. online unter eterminservice.de/terminservice vereinbart werden“, erläuterte die Sozialbehörde. Und weiter: Durch den Einsatz von (Klein)Bussen, so die Sozialbehörde, die als Schnelltest-Zentren eingerichtet sind, werden zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt. Als Standorte seien der Harburger Rathausmarkt und der Neugabener Wochenmarkt vorgesehen, versicherte die Sozialbehörde.
Ein zusätzliches Testzentrum kündigte die Sozialbehörde auf dem Gelände der Technischen Universität Hamburg-Harburg an; er sollte am 11. März seinen Betrieb aufnehmen, doch bis Donnerstg (Redaktionsschluss) war es noch nicht so weit. „Termine hierfür werden unter schnelltest-hamburg.de buchbar sein. Weitere Standorte für Testmöglichkeiten sind in Entwicklung und werden zeitnah ergänzt“, so die Sozialbehörde. Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Matthias Czech kann die Kritik nachvollziehen. „Ich kann den Unmut gut verstehen, wenn ich es mir aussuchen könnte, hätte ich es mir anders gewünscht. Die jetzige Situation ist vor dem Hintergrund der sehr kurzfristigen Entscheidungen aus Berlin zu akzeptieren. Es ist wichtig, weiter zu beobachten, ob das Testangebot für Süderelbe so ausreicht oder später optimiert werden muss“, betonte Czech. Und der Harburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete sagte: „