A26-Ost: Ein Tunnel von Finkenriek bis nach Stillhorn
Verkehrsbehörde stellt überarbeitete Pläne vor
„Die A26-Ost muss unter die Erde!“ – So lautete eine der zentralen Botschaften aus dem Bürgergutachten zur A26 in Wilhelmsburg (der Neue RUF berichtete). Auch die Autobahngegner wünschen sich die geplante Autobahn unter die Erde – allerdings als beerdigtes Projekt, das niemals realisiert wird! Am vergangenen Montagabend standen sich Befürworter und Gegner der sogenannten Hafenquerspange erneut (meist unversöhnlich) im Bürgerhaus Wilhelmsburg gegenüber. Geladen hatte die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, um zu erläutern, inwieweit die Forderungen aus dem Bürgergutachten, das in dem im Februar gestarteten Beteiligungsverfahren entstanden ist, mit in die weiteren Planungen zur A26-Ost mit einfließt. Rund 100 Interessierte waren erschienen.

Foto: au
1480 Meter – eine entscheidene Zahl an diesem Abend: So lang soll nach den neuesten Planungen der Verkehrsbehörde der Tunnel werden, in dem die A26-Ost verlaufen soll. Damit kommen die Planer der zentralen Forderung der Bürgerinnen und Bürger nach: Die Autobahn soll dann bis zur A1 in Stillhorn in einem Tunnel verlaufen. Ältere Pläne sahen nur einen Deckel von rund 400 Metern vor. Zwar habe sich Staatsrat Andreas Rieckhof, der die Pläne vorstellte, am Anfang damit schwer getan, doch er habe sich von seinen Mitarbeitern überzeugen lassen und „ich werde mich dafür einsetzen, dass der Tunnel verlängert wird“, so Rieckhof. Technisch sei das möglich, nun müssten noch der Senat und der Bund davon überzeugt werden. Zudem sei eine zwingende Voraussetzung zur Realisierung des verlängerten Tunnels Wohnungsbau auf den umliegenden Arealen. Damit würde gleichzeitig eine weitere Forderung des Gutachtens erfüllt werden: Kirchdorf-Süd aus der städtebaulichen Isolation zu holen und stärker an den gesamten Stadtteil anzubinden.
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt im Bürgergutachten stellten die Anschlussstellenvarianten an der Otto-Brenner-Straße und in Stillhorn dar.

Im Bereich der Otto-Brenner-Straße sollen „Holländische Rampen“ zum Einsatz kommen, der graue Bereich steht bei diesen Planungen für die Stadtentwicklung zur Verfügung.
Fotograf: BWVI
In Stillhorn soll es nun ein schlankes Autobahndreieck geben, vorher war ein sogenannter Komplexknoten geplant. Mit der ersatzlosen Streichung der Anschlussstelle Stillhorn lasse sich nun ein schlankes Autobahndreieck realisieren. Gänzlich auf eine Anschlussstelle im Bereich Kirchdorf-Süd zu verzichten, dass ist auch in den überarbeiteten Plänen nicht vorgesehen. So habe man eine Anschlussstelle im Bereich Pollhornbogen geprüft, die zwar technisch möglich sei, aber aus verkehrsplanerischer Sicht wenig Sinn mache. Nun sollen im Bereich der Otto-Brenner-Straße sogenannte „holländische Rampen“ zum Zuge kommen, die Otto-Brenner-Straße selber von vier auf zwei Spuren zurückgebaut werden. Zudem plane die Verkehrsbehörde, bei dem geplanten Ausbau der A1 in Höhe Stillhorn Lärmschutz, der zum einen viel früher und besser werde, als gesetzlich vorgeschrieben. Davon sollen dann die Menschen in Kirchdorf-Süd profitieren, die dem Autobahnlärm der A1 täglich ausgesetzt sind. Auch weitere Themen wie Verbesserung des Radverkehrs oder des öffentlichen Personennahverkehr haben sich die Verkehrsplaner nach eigenen Aussagen ins Aufgabenbuch geschrieben. So soll mit dem Ausbau der Velorouten auch an die Radfahrer gedacht werden.
Inwieweit sich die Kosten durch diese Maßnahmen des bereits jetzt rund 900 Millionen teuren Projekts steigern werde, dazu machte Staatsrat Andreas Rieckhof keine Angaben. Ein Punkt, den die Autobahngegner dann auch unter anderem als zu schwammig kritisierten. So sprach Anja Blös, Pastorin in Wilhelmsburg und Mitglied des Aktionskreises Kirchdorf-Süd, dass sie von Kosten von zwei bis drei Milliarden ausgehe, die das Projekt am Ende kosten werde. Die Naturschutzorganisation Robin Wood kritisiert den Bau der A26-Ost ebenfalls als unnötig und teuer und befürchtet eine massive Beeinträchtigung des Naturschutzgebiets Heuckenlock. Deshalb fordern die Aktivisten statt des Autobahnbaus eine oberirdische Verlängerung der U-Bahn-Linie 4 nach Wilhelmsburg sowie eine Verstärkung der S-Bahn.
Der Wilhelmsburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Michael Weinreich hingegen begrüßte die Entscheidung der Verkehrsbehörde: „Der 1,5 Kilometer lange Tunnel im Bereich Wilhelmsburger Süden stellt die maximal anwohnerverträglichste Möglichkeit dar. Er wird die vierte Überdeckelung einer Autobahn in Hamburg sein. Wilhelmsburg wird nicht schlechter als Altona gestellt. Aus der schwierigen Situation macht der Hamburger Senat das Beste. Es ist aus Wilhelmsburger Sicht sehr wichtig, dass der Tunnel auch attraktiven Wohnungsbau nach sich zieht. Dies ist eine riesengroße Chance, Kirchdorf-Süd aus seiner „Insellage“ zu befreien und die Infrastruktur für die Menschen in Kirchdorf insgesamt zu verbessern“.
Auch die Handelskammer Hamburg begrüßt den Neubau der A26-Ost und fordert gleichzeitig eine leistungsstarke Anbindung an das innerstädtische Straßennetz. „Wir begrüßen sehr, dass der für die Hamburger Wirtschaft so wichtige Lückenschluss zwischen A1 und A7 im Hafengebiet nun in greifbare Nähe rückt“, so Dirk Asmus, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr der Handelskammer Hamburg.

