Amazon kommt auf die Veddel

Mit dem neuen Verteilzentrum auf der Veddel will der Online-Versandhändler Amazon rund 220 neue Arbeitsplätze schaffen. Foto: amazon

Amazon kommt auf die Veddel
Online-Versandhändler baut Verteilzentrum

(au) Veddel. Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Am vergangenen Dienstag teilte die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation/BWVI) mit, das der Online-Versandhändler Amazon ein Verteilzentrum auf der Peute bauen will. So sei durch die intensive Zusammenarbeit von Hamburg Port Authority (HPA) und der städtischen Wirtschaftsförderung Hamburg Invest (ehemals HWF) es gelungen, das internationale Unternehmen nach Hamburg zu holen. Rund 18.000 Quadratmeter im Hamburger Hafen sollen demnächst Standort für das Unternehmen Amazon werden. Geplant sei ein Verteilzentrum mit bis zu 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Wirtschaftssenator Frank Horch freut sich, dass Amazon auf der Veddel ein Verteilzentrum bauen will.Foto: Florian Jaenicke

An der Peutestraße sollen Pakete aus Amazons europäischem Liefernetzwerk für den Stadtraum Hamburg und die Bereiche südlich der Elbe sortiert und für die Auslieferung vorbereitet werden.
Writschaftssenator Frank Horch, parteilos freut sich über diesen Erfolg: „Ziel unserer Hafenentwicklung ist es, Ladung durch die Erhöhung der Wertschöpfungsintensität innerhalb der Lieferkette stärker an den Standort zu binden. Schon in unserem Hafenentwicklungsplan haben wir gesagt, dass das sowohl durch industrielle Ansiedlungen als auch durch eine größere Wertschöpfungstiefe logistischer Dienstleistungen geschehen kann. Die Ansiedlung von Amazon ist ein bestes Beispiel dafür.“
Goodman, ein global führender Eigentümer, Entwickler und Verwalter von Logistikimmobilien, soll das 18.000 m² große Logistikzentrum im Hamburger Hafen realisieren. „Das Areal auf der Peute bietet großes Potenzial für die urbane Logistik in Hamburg“, sagt Christof Prange, Head of Business Development von Goodman in Deutschland. „Durch den direkten Anschluss an die Elbbrücke ist die Lage des neuen Logistikzentrums für schnellstmögliche Zulieferungen an den Endkunden prädestiniert. Der Standort ist daher eine sinnvolle Erweiterung unseres Portfolios in Hamburg.“
Klaus Lübke, SPD-Bezirkspolitiker auf der Veddel, begrüßt die Entscheidung: „Die Peute liegt verkehrsgünstig direkt an der Elbbrücke. In der Regel kommt man selbst bei Stau schnell in die Innenstadt. Ich hatte immer die Befürchtung, das sich auf der Fläche ein Hafenbetrieb, etwa ein Containerlager, ansiedeln könnte. Dann hätten die LKW immer durch die Veddel oder die Harburger Chaussee zu den Terminals fahren müssen. Wir können erwarten, das LKW, die Waren zu Amazon bringen, direkt von Süden über die Autobahn auf die Peute, und das die meisten Auslieferfahrzeuge aus der Peutestraße direkt über die Elbbrücke fahren. Das ist für die Veddel viel günstiger.
Amazon bringt immerhin über 200 Arbeitsplätze für die man kein Abitur haben muss. Ich wünsche mir allerdings, das Amazon für die Mitarbeiter einen Tarifvertrag abschließt. Mancher hat Unbehagen, weil Amazon so groß wird, und wenig Steuern bezahlt. Das liegt aber an den Kunden, die dort kaufen. Ich selbst kaufe Bücher zum Beispiel nur noch beim Buchgeschäft um die Ecke. Der Preis ist der Gleiche, und ich kann jedes Buch spätestens am nächsten Tag abholen, ohne auf den Paketboten warten zu müssen.“
Auch Hamburgs Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Katja Karger, übt Kritik: „Ausgerechnet auf der Peute, einem historischen Ort der Arbeiterbewegung, siedelt sich ein Unternehmen an, dass sich an anderem Ort im Land weigert, einen Tarifvertrag für seine Beschäftigten abzuschließen. Ein Bekenntnis von Amazon zur Tarifbindung ist für uns das Minimum für einen erfolgreichen Start.“ Zudem hoffe sie, so Karger weiter, dass das Unternehmen auch angemessen hohe Steuergelder in die Kassen der Stadt spüle, denn „viele neue Arbeitsplätze sind gut, eine gerechte Steuerlastverteilung aber auch“.
Heike Lattekamp, Leiterin des ver.di-Fachbereiches Handel in Hamburg ergänzt: „Wir fordern von Amazon, an diesem Standort Bereitschaft für den Abschluss eines Tarifvertrages zu zeigen, um den neuen Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne zu sichern.“ Die Peute war Standort der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine (GEG). Dort wurden in den 1920er und 30er Jahren Produkte wie Honig, Tabak oder Zahnpasta hergestellt und zu günstigen Preisen an Arbeiterfamilien verkauft. Der DGB hatte sich, wie zum Beispiel auch die Hamburgische Architektenkammer, für den Erhalt der Gebäude als Zeugnis der Arbeiterkultur eingesetzt.

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