„Herzenssache“: Chefarzt operiert in Paraguay

Nachhaltige Hilfe: Reinpold und Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Chirurgen vor Ort in modernen OP-Verfahren zu schulen.“Foto: Groß-Sand

„Herzenssache“: Chefarzt operiert in Paraguay
Dr. Wolfgang Reinpold auf Hernienmission

(au) Wilhelmsburg. Jeder vierte Mann weltweit erleidet im Laufe des Lebens einen Leisten- oder Bauchwandbruch. In Deutschland kein großes Problem: Ein kurzer Eingriff und Betroffene sind schnell wieder in Form. Nicht so in Ländern, wo spezialisierte Mediziner fehlen und Operationen für die meisten Menschen unbezahlbar sind. Der Wilhelmsburger Chirurgie-Chef Dr. Wolfgang Reinpold, der sich seit langem auf die Behandlung sogenannter Hernien spezialisiert hat, hilft mit seinen jährlichen „Hernienmissionen“. Am 17. November packt er zum 11. Mal die Koffer – erneut ist Paraguay das Ziel.
Dr. Reinpold erzählt von einem Patienten. Aus Datenschutzgründen nennt er ihn Andres Rojas. Vor gut einem Jahr operierte er den paraguayischen Landwirt in einer Klinik der Hauptstadt Asuncion „in letzter Minute“. Rojas schwebte in Lebensgefahr. Er hatte eine Bauchfellentzündung – infolge eines eingeklemmten Leistenbruchs. Andres Rojas hatte seinen Bruch beinahe zehn Jahre mit sich herumgetragen. Mittlerweile war die Hernie fußballgroß, starke Schmerzen beeinträchtigten den Landwirt bei der täglichen Arbeit. Eine OP, die in Paraguay in der Regel privat finanziert werden muss, war für ihn unbezahlbar. Doch dann trat der Notfall ein: Teile des Darms klemmten ab, es kam zum Darmverschluss und dann zur lebensbedrohlichen Situation. „Hätten wir nicht sofort operiert, wäre der Patient mit großer Wahrscheinlichkeit gestorben“, so Dr. Reinpold.
Heute kann Rojas wieder arbeiten. Sein Bruch ist mit einem Kunststoffnetz verschlossen, das auch schwerem Heben standhält. Keine Selbstverständlichkeit: Auch wenn solche Netze bei uns längst Standard sind, sind sie in Ländern wie Paraguay kaum verfügbar. Zudem haben die wenigsten Chirurgen Erfahrung mit entsprechenden OP-Verfahren. „Viele Brüche werden daher einfach zugenäht“, beklagt Dr. Reinpold. Andres Rojas hatte Glück. Er war einer von rund 40 Patienten, die Reinpold und Team im Rahmen der Hernienmission 2016 unentgeltlich operiert und mit einem Kunststoffnetz versorgten. Mehr als doppelt so viele Operationen sind 2017 geplant – dieses Mal in drei verschiedenen paraguayischen Kliniken.
Langfristiges Ziel der Hernienmissionen, die unter der Schirmherrschaft der internationalen Organisation „Hernia Help“ stattfinden, ist jedoch die Ausbildung lokaler Chirurgen. „Neben der kurzfristigen Hilfe für Patienten in Notsituationen geht es uns insbesondere um eine nachhaltige Verbesserung der Versorgung vor Ort. Wir machen die chirurgischen Kollegen mit modernen Netzeinlageverfahren vertraut und stellen ihnen daraufhin Netze zur Versorgung mittelloser Patienten zur Verfügung“, so Dr. Reinpold.
Um ausreichend Kunststoffnetze und weitere OP- Materialien anzuschaffen, werden Spenden benötigt. „Da wir alle Reisekosten selbst tragen, kommt jeder gespendete Euro direkt der Versorgung bedürftiger Hernien-Patienten zugute“, betont Dr. Reinpold. “Wir möchten, dass auch Patienten in weniger privilegierten Situationen von unserem Know-how und unserer Erfahrung profitieren. Die humanitären Hernienmissionen sind uns daher nun schon seit elf Jahren eine echte Herzenssache und über Ihre Unterstützung würden wir uns sehr freuen“, so Reinpold weiter.
Spendenkonto:
Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand IBAN: DE50200505501263137497
BIC: HASPDEHHXXX
Spender geben bitte als Verwendungszeck „Spende Hernienmission“ an. Selbstverständlich wird auf Wunsch eine Spendenbescheinigung ausgestellt – dafür sind Name und die vollständige Adresse erforderlich.

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