„Gute Nachbarschaft – bessere Gesellschaft“

Ali Erturan, Abdussamed Demir und Bünyamin Bozky (v.r.) beantworten die zahlreichen Fragen der HarburgerFoto: pm

„Gute Nachbarschaft – bessere Gesellschaft“
Tag der offenen Tür in der Eyüp Sultan-Moschee

(pm) Harburg. Die Harburger, die am Dienstag den Weg in die Knoopstraße 4 gefunden haben, sitzen im Halbkreis um Ali Erturan und folgen seinen Erläuterungen. Wir sind in der Harburger Eyüp Sultan-Moschee und sie hat am 3. Oktober, wie viele andere Moscheen auch, zum Tag der offenen Moschee eingeladen.

Besucher der Eyüp Sultan-Moschee lauschen einer – arabischen – Rezitation aus dem Koran Foto: pm

 

Der Tag stand in diesem Jahr unter dem Motto „Gute Nachbarschaft – bessere Gesellschaft.“ Erturan ist dieser Moscheegemeinde seit über 20 Jahren verbunden, er kennt ihr Innenleben wie kein Zweiter, weiß Ali Eken, einer der Vorstände dieser Gemeinde. Deshalb habe er auch die Aufgabe übernommen, an diesem Tag die Führungen zu unternehmen. Am frühen Vormittag ist Gebetszeit, zahlreiche Moslems strömen in die Moschee und verrichten ihre Gebete. Erturan, der im Rollstuhl sitzt, erklärt mit leiser Stimme das Wie und Was, die Nachfragen lassen nicht lange auf sich warten.
Die Moscheegemeinde hat sich auf diesen Tag gut vorbereitet – nicht nur mit leckerem Gebäck und Tee für die Besucher. Ob Mihrab (Gebetsnische), Mimbar (Kanzel), Kursi (Vorlesepult) oder Dikka (Estrade) sowie Knüpfteppich, der auch die Gebetsrichtung gen Kaaba anzeigt, überall sind gerahmte Poster mit Abbildungen und Erläuterungstexten angebracht. Während des Gebets finden sich weitere Harburger in der Moschee ein und verfolgen das Geschehen.

Ali Erturan, Abdussamed Demir und Bünyamin Bozky (v.r.) beantworten die zahlreichen Fragen der HarburgerFoto: pm

Waschungen, die Abfolge der Suren im Koran und natürlich um den Propheten Mohammed. In der Zwischenzeit hat sich die Runde in den Gebetsraum der Frauen verlagert. Gastgeber und Gäste haben an Tischen Platz genommen und es entwickeln sich angeregte Gespräche.
Eli Eken hat bis zur Mittagszeit schon über 30 Gäste begrüßt, jüngere und ältere Harburger, alle freundlich, agressive Töne habe es nicht gegeben. Die Eyüp Sultan-Moschee sei eine freie Gemeinde, fährt er fort und gehöre mit ihren 200 Aktiven (nebst Familien) zum Bund islamischer Gemeinden Norddeutschlands, sei mithin keine DITIB-Gemeinde. Sie wird zu 90 Prozent von türkischen Mitbürgern besucht und ist die wohl größte Moschee in Harburg. Mit ihrer Gründung 1976 ist sie eine der ersten Moscheen in Hamburg überhaupt. Bis zu 500 Moslems kommen zum Freitagsgebet, an besonderen Feiertagen sind es noch mehr. „Dann platzen wir aus allen Nähten“, berichtet Eken, ein paar zusätzliche Räume für soziale Aktivitäten wären schön. Allein 210 Koranschüler – 120 Jungen und 90 Mädchen – kommen regelmäßig zum Unterricht in die Moschee.
Einer von ihnen ist Bünyamin Bozky. Er ist Schüler am Heisenberg-Gymnasium und besucht dort die 11. Klasse. Er sei schon so weit, dass er die jüngsten Schüler unterrichten dürfte, erzählt er mit bescheidenem Stolz. Er hat sich bereits ein beachtliches Koran-Wissen angeeignet.
Der Versuch, am 3. Oktober „einen Einblick in den Islam und unsere Kultur zu bieten“ sei gut angenommen worden, freut sich Ali Eken. Die Moschee-Gemeinde bewegt sich aber auch auf internationalem Parkett. Erst jüngst habe sie im Tschad erfolgreich ein Wasser-Projekt zum Ende gebracht. Zum Abschied wird jeder Gast gebeten. einen Fragebogen auszufüllen und seine Eindrücke von diesem Tag zusammenzufassen, „damit wir das Motto des Tages „Gute Nachbarschaft – bessere Gesellschaft“ auch tasächlich mit Leben erfüllen können, sagt Eken zum Abschied. Nicht zufällig sei die Moschee auch Mitglied des Integrationsbeirates sowie des Seniorenbeirates in Harburg und selbstverständlich auch im Rat der islamischen Gemeinden Hamburg (Schura) vertreten, denn die Förderung des Dialoges zwischen Muslimen und andersgläubigen Menschen sei eines der großen Anliegen der Moschee-Gemeinde.

 

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