Tiere lagen teilweise „gestapelt“.
Hühner in Blumenkästen gehalten.
Ein erneuter Fall von brutaler Tierquälerei an Hühnern erschüttert den Hamburger Tierschutzverein. In Finkenwerder wurden 14 Hühner geborgen, die in Blumenkästen hausen mussten. „Die Tiere lagen teilweise ‚gestapelt‘ übereinander in den beengten Behältern – für ein Huhn kam leider jede Hilfe zu spät,“ so Sven Fraass, Sprecher des Tierschutzvereins.
Passanten hatten der Polizei eine nicht artgemäße Haltung von Hühnern in einem Hinterhof in Finkenwerder gemeldet. Kurz zuvor war auch eine Meldung eingegangen, dass dort auch geschlachtet werden würde, was sich vor Ort jedoch nicht bestätigten ließ. Die Beamten fanden indessen vor Ort 13 Hühner in drei Blumenkästen auf einer Terrasse vor. „Die Tiere hatten keinerlei Bewegungsfreiheit und stapelten sich zum Teil buchstäblich übereinander auf den harten Böden,“ so Fraass.. Ein weiteres Huhn lag allein in einem Kasten. Es hatte kaum noch Gefieder und war sehr schwach. Die Tiere waren ohne jeglichen Schutz möglichen Beutegreifern und der Witterung ausgeliefert. Nach dem Erscheinen der Beamten kam die Halterin dazu. Sie gab an , sie habe die Hühner wenige Stunden zuvor auf einem Bauernhof gekauft und würde sie nun dorthin zurückbringen. Dies wurde von der Polizei untersagt. Ferner sagte die Frau, sie habe nicht gewusst, dass die Tiere so nicht gehalten werden dürfen. Bei den Hühnern handelt es sich um Tiere einer Mastrasse, so dass sie möglicherweise als „Vorrat“ zur späteren Schlachtung gehalten worden sind, mutmasst Fraass.
Noch am sm selben Tag wurden die Tiere durch das Bezirksamt Hamburg-Mitte sichergestellt und ins Tierheim Süderstraße gebracht. Das einzeln gehaltene Huhn war so schwach, dass es kurz nach der Rettung starb. Die anderen Vögel waren zunächst matt, hatten kotverschmiertes Gefieder, bereits nackte Bäuche und Probleme beim Gehen. Ein Huhn hat zudem einen gebrochenen Flügel. „Die etwa sechs Wochen alten Hühner konnten ihrem artgemäßen Verhalten wie Picken, Scharren oder im Sand zu baden nicht nachgehen, geschweige denn sich überhaupt bewegen. Sie haben teilweise Fehlstellungen an den Beinen und Füßen, was die Fortbewegung stark erschwert. Zudem weisen sie kaum Muskulatur auf, die nun aufgebaut werden muss“, erläutert die tierärztliche Leitung des HTV Dr. Urte Inkmann.
Die Hühner müssen sich jetzt erst einmal erholen. Die HTV-Tierpfleger haben ihnen ihre Unterkunft mit Einstreu, Stroh und allerlei Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Sandbädern hergerichtet, damit sich die Tiere wohlfühlen und mehr bewegen. Das Gefieder der Hühner sieht schon besser und sie werden munter beim Picken, Scharren und Baden gesichtet. Das tote Huhn wurde vom HTV in Absprache mit der Behörde zur Sektion geschickt, um die Todesursache zu klären.
„In dem Fall der Hühner resultiert das Krankheitsbild ganz klar aus schlechter Haltung“, betont Dr. Urte Inkmann und verweist auf die Not vieler Hühner, die nicht artgemäß leben dürfen.
Der HTV hat bereits mehrfach über den gefährlichen Hühner-Trend berichtet, der dazu führt, dass Hühner für den Eigenbedarf voreilig angeschafft, oft nicht artgemäß gehalten oder schnell wie Müll entsorgt werden. Nach der gewollten oder versehentlichen Vermehrung sind besonders Hähne arm dran. Sie legen keine Eier und erfüllen keinen „Nutzen“, zudem bekämpfen sie sich meist untereinander, berichtet der HTV-Sprecher.

