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Keine Schwertransporte mehr über die Köhlbrandbrücke

Keine Schwertransporte mehr über die Köhlbrandbrücke.

Bedenkliche Zunahme der Schadensdynamik.

Sie ist ein begehrtes Fotomotiv und ein wichtiger Verkehrsweg – und das nicht nur für den Hamburger Hafen: Die Köhlbrandbrücke. Doch das imposante Bauwerk bröckelt vor sich hin und soll bis 2040 ersetzt werden (der Neue RUF berichtete). Doch bis dahin muss sie noch halten, was zunehmend schwieriger zu werden scheint, wie eine Pressemitteilung der zuständigen Hamburg Port Authority (HPA) aus der vergangenen Woche vermuten lässt. Ab dem 1. Mai dieses Jahres dürfen genehmigungspflichtige Schwertransporte über 44 Tonnen die Köhlbrandbrücke nicht mehr nutzen und müssen umgeleitet werden. „Die Belastung der Köhlbrandbrücke muss verringert werden, um die Verkehrssicherheit und die Funktionsfähigkeit der Brücke zu gewährleisten. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Bewertung des Bauwerkszustandes. Ziel ist es, bis zur Inbetriebnahme eines künftigen Ersatzbauwerks den Weiterbetrieb der Köhlbrandbrücke für den Güterverkehr aufrechtzuerhalten. Einschränkungen für Pkw und Lkw mit einem Gewicht von unter 44 Tonnen ergeben sich daraus nicht“, so die HPA.
Laut HPA habe sich seit der Inbetriebnahme der Brücke 1974 die Verkehrsbelastung nahezu verdoppelt. Im Jahr 2023 wurde die Köhlbrandbrücke an einem durchschnittlichen Werktag von ca. 32.000 Autos befahren. Zusätzlich habe sich der Lkw-Verkehr seit 1980 nahezu verdoppelt. Ein einzelner Schwertransport könne die mehr als tausendfache Schädigung eines normalen Lkw verursachen und führe deswegen zu einer überproportionalen Belastung des Bauwerks und zu einem deutlich schnelleren Verschleiß.
Basierend auf einer umfangreichen fachlichen Bewertung durch die HPA und externer Fachleute sei die Verringerung der Belastung zwingend, um weiterhin den Weiterbetrieb der Köhlbrandbrücke und damit möglichst stabile verkehrliche Abläufe für den Regelverkehr im Hafen zu gewährleisten.
Die Köhlbrandbrücke ist für den Hamburger Hafen von besonderer Bedeutung und wird daher seit vielen Jahren engmaschig überprüft, kontinuierlich überwacht und aufwendig instandgehalten. Die Ergebnisse der aktuellen Bauwerksprüfung zeigten nun eine bedenkliche Zunahme der Schadensdynamik an den Längsrippen der Strombrücke. Auch im Bereich der Rampenbauwerke zeigten sich verstärkt Risse und Abplatzungen sowie deutlich verschlechterte Materialeigenschaften.
Trotz umfassender Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen könne der Rückgang der Substanz nicht aufgehalten werden. Bereits 2012 wurde ein Überholverbot eingeführt, das 2019 um ein Abstandgebot für Lastkraftwagen ergänzt wurde.
Wie zu erwarten, lässt Dennis Thering, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, diesbezüglich kein gutes Haar an der zuständigen Wirtschaftsbehörde: „Die neuen Einschränkungen auf der Köhlbrandbrücke sind ein weiteres Kapitel in einem Verkehrsdesaster, das der Senat über Jahre selbst verursacht hat. Die Brücke ist seit Langem marode, und jetzt drohen Fahrverbote und massive Schäden für den Hafen und damit für ganz Hamburg. Wenn man sieht, wie langsam der notwendige Neubau von diesem rot-grünen Senat und der SPD-geführten Wirtschaftsbehörde vorangetrieben wird, kann einem nur angst und bange werden. Der Senat muss endlich erkennen, dass die Planungen drastisch beschleunigt werden müssen. Wenn es so weitergeht, steht am Ende im schlechtesten Fall noch eine komplette Sperrung der Köhlbrandbrücke und ein Neubau, der weiterhin auf sich warten lässt.“

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„Wir würdigen ihren Mut und ihr unermüdliches soziales Engagement!“

„Wir würdigen ihren Mut und ihr unermüdliches soziales Engagement!“.

Rosa-Kiela-Weiß-Straße eingeweiht.

Ramona Mechau hat Tränen in den Augen, als sie von ihrer Mutter Rosa Kiela Weiß erzählt. „Meine Mutter war eine herzensgute Frau“, so die 72-jährige Sintiza. Gemeinsam mit Ralf Neubauer, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte, und einigen Anwohnern steht sie am vergangenen Dienstagmorgen in der Rahmwerder Straße auf Höhe des Neubaugebiets Kirchenwiese. Der Grund: Aus der bisherigen „Planstraße A“, einem rund 135 Meter langen Weg zwischen der Rahmwerder Straße und Langenhövel, wird die „Rosa-Kiela-Weiß-Straße“, Neubauer und Mechau weihen diese gemeinsam ein. „Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus war lange Zeit nur wenig im öffentlichen Bewusstsein präsent. Dabei ist die Sinti-Gemeinde in Hamburg tief verwurzelt. Mit der Rosa-Kiela-Weiß-Straße geben wir dieser Geschichte einen festen Platz. Wir erinnern an das Schicksal von Rosa Kiela Weiß und würdigen ihren Mut und ihr unermüdliches soziales Engagement“, erklärt Ralf Neubauer.
Das, was Amanda Mechau (geboren 10. August 1913, verstorben 11. Mai 1984), genannt Rosa Kiela Weiß, in der Zeit des Nationalsozialismus erlebt hat, steht dabei dabei exemplarisch für das, was viele der Sinti und Roma erleiden mussten. Bekannt war Rosa Kiela Weiß als Kurzwarenhändlerin, die in Wilhelmsburg und Harburg ihre Kunden mit Nadel, Faden, Knöpfen und vielem mehr versorgte. Als Sintiza wurde sie im Mai 1940 vom Hannoverschen Bahnhof mit ihrer Familie von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Belzec deportiert. Zwei ihrer Kinder starben dort einen grausamen Hungertod. Rosa Kiela Weiß und ihr Ehemann überlebten. Nach dem Krieg nahm sie ihre Händlerinnentätigkeit wieder auf und begegnete auf ihren Geschäftswegen durch Wilhelmsburg und Harburg vielen, die im Krieg alles verloren hatten. Rosa Kiel Weiß half, wo sie konnte. Ihr Markenzeichen war eine Rose im Haar, der sie ihren Spitznamen „Rosa“ verdankt. Sie war bekannt für ihre zupackende Art und Großherzigkeit.
Ramona Mechau erinnert sich lebhaft daran. „Einmal kam sie an die Tür einer Kundin, die aber war nicht da. Nur ihre fünf Kinder, die hatten nichts an. Die Mama ist weg, zum Vater ins Krankenhaus, erklärten die Kinder. Da sagte sie ihnen, macht die Tür nur auf, wenn ich klopfe. Dann ist sie losgegangen, hat Brot, Rama, Marmelade, Leberwurst und sogar Kohle gekauft, sodass die Kinder erstmal versorgt waren. Und sowas hat sie nicht einmal gemacht, das hat sie sie oft gemacht“, erzählt sie stolz über ihre Mutter.
Kurze Zeit später, Ortswechsel, ein paar Straßen weiter: Ramona Mechau sitzt in ihrem kleinen Haus im Georgswerder Ring, Schwiegersohn und Musiker Kako Weiß ist auch dabei. Vor ihr ein sehr altes Fotoalbum, darin unzählige Bilder ihrer Familie. Und immer wieder Aufnahmen von Rosa Kiela Weiß: Als kleines Kind, als junge Frau, als Frau, die ein schweres Schicksal hinter sich hat. Den Tod ihrer Kinder habe sie nie verkraftet, deswegen habe sie sich auch nach dem Krieg so für das Wohl von Menschen, insbesondere von Kindern eingesetzt, weiß ihre Tochter.
Mit dieser Straßenbenennung, die übrigens auf Initiative vom Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel zurückgeht, würdigt Hamburg nun erstmals eine Angehörige der Hamburger Sintis: „Ich freue mich, dass sie uns Zigeuner nicht vergessen haben“, so Ramona Mechau in Richtung Bezirksamtsleiter Neubauer.

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Wohnungslose Menschen begeistern mit bunten Ostereiern

Wohnungslose Menschen begeistern mit bunten Ostereiern.

Ungewöhnlicher Osterbaum in Finkenwerder.

Ob Tupfen, Punkte, Kreise; rot, grün oder gelb, bei diesen Ostereiern waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Seit Kurzem begeistert ein Osterbaum die Menschen im Palsteek 33 in Finkenwerder. Über eine Pforte hinwegschauend können Spaziergänger hier den „wahrscheinlich ungewöhnlichsten Osterbaum“ auf der ehemaligen Elbinsel bewundern. Die Ostereier an diesem Baum sind aus Holz, bemalt wurden sie von Obdachlosen. „Die Gäste eines Kreativworkshops im ,Harburg-Huus‘ haben alles gegeben, um unter der Anleitung einer Kunsttherapeutin für sich und andere das Osterfest zu verschönern“, erklärt Silke Schwartau, 2. Vorsitzende der „Social Business Stiftung“ mit Sitz in Finkenwerder. Das Projekt mit positiver Wirkung wird seit Anfang des Jahres 2026 von der Stiftung unterstützt und gefördert. Obdachlose und Bedürftige finden mit Unterstützung der Finkenwerder Künstlerin Freya Burmeister in Harburg die Möglichkeit, wöchentlich ihr Talent zu beweisen. „Das hat uns sehr imponiert, was die Workshopteilnehmer daraus gemacht haben“, so Schwartau weiter. Auch die Spaziergänger sparen nicht mit wertschätzenden Kommentaren, wie Schwartau berichtet.
Darüber hinaus können die Malerinnen und Maler übrigens noch viel mehr: Wer genau hinschaut, sieht auf dem Osterbaum auch ideenreich gestaltete Schachfiguren. „Daran haben sich schon viele Kinderherzen erfreut, obwohl die Kleinen natürlich mit schwarzen und weißen Figuren spielen. Doch sich anfangs an bunten Spielsteinen zu erfreuen und damit die ersten Schachzüge zu lernen, macht den Kleinen Spaß“, weiß Schwartau. Wie passen Ostereier und Schachfiguren zusammen: Die Stiftung fördert ebenfalls das Schachspielen!
Wie geht es weiter? „Eine Zusammenarbeit mit wohnungslosen Menschen soll es auf jeden Fall geben. Wir sind sicher, dass es auch zukünftig viele kreative Ideen geben wird, wenn sich die Stadtteile Finkenwerder und Harburg für dieses Projekt stark machen“. Weitere Informationen unter https://harburg-huus.de/ und https://die-schachwerkstatt.org.

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Was ein Elefantenrüssel mit Bionik zu hat!

Was ein Elefantenrüssel mit Bionik zu hat!.

Uni Hamburg an der StS Wilhelmsburg.

„Das ist cool. Ich habe richtig viel dazugelernt“, erklärt der dreizehnjährige Arin Calcali aus der Klasse 7c der Stadtteilschule Wilhelmsburg, während er aus buntem Papier Streifen für sein „Greifermodell“ ausschneidet. Soeben haben Arin und seine Klasse 60 Minuten mucksmäuschenstill dem Vortrag der Juniorprofessorin Linnea Hesse von der Universität Hamburg zum Thema Bionik gelauscht. Ein interessanter Einstieg gleich am ersten Tag nach den Hamburger Frühjahrsferien.
Der Begriff Bionik setzt sich aus den Silben der zwei Wörter Biologie und Technik zusammen. In der Bionik geht es darum, Strukturen und Funktionen in der Natur zu erkennen und diese für die Technik zu nutzen. Allen bekannt: Der Klettverschluss an Kleidung oder Schuhen. Er beruht auf den Eigenschaften der Pflanze „Klette“. Den Klettverschluss und weitere faszinierende Beispiele aus dem Bereich der Bionik erklärte Professorin Hesse den Jugendlichen anschaulich. Dabei gelang es ihr, sie gleich auf mehreren Ebenen zu packen: Neben der Faszination für die Bionik begeisterte sie die Klasse zudem für das Forschen an der Universität. Sie gab interessante Einblicke in das System Universität und spickte diese anhand ihres eigenen Lebenslaufes. Damit nahm sie den Jugendlichen Berührungsängste und ermunterte sie zum Studium.
Klassenlehrer Jarek Bielat zeigte sich mit der Aktion sehr zufrieden: „Endlich ein niedrigschwelliger Zugang zur aktuellen Forschung! Die Schüler*innen konnten Bionik hautnah erleben, ohne Vorkenntnisse – von der Klette bis zum Elefantenrüssel. Besonders erfreulich: Der Einblick in den Uni-Alltag und Prof. Hesses Werdegang weckte echte Berufsorientierungsideen, etwa für Studiengänge in Biologie oder Robotik.“
Nach der Theorie folgte dann die Praxis: Die „Juniorstudenten“ versuchten, den Greifer eines Elefantenrüssels nachzubauen. Learning by doing: Sie lernten die Struktur und Aufbau des Rüssels und des „Fingers“ kennen. Der Elefantenrüssel dient der Wissenschaft als Vorlage zur Weiterentwicklung der Roboter: Bionik! Am Ende setzte sich der Spieltrieb der Jugendlichen durch und sie probierten ihre Modelle aus.

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„Das hier ist ein wunderbarer Ort!“

„Das hier ist ein wunderbarer Ort!“.

Nutzervertrag für Bootshaus unterschrieben.

Hamburger Kartoffelsuppe, verschieden belegte Fischbrötchen oder eine große Currywurst, dazu einen leckeren Latte Macchiato, ein Gläschen Wein, eine erfrischende Limonade oder ein kühles Bier: Wer sich jetzt schon mal aussuchen möchte, was er bei seinem ersten Besuch im Restaurant Bootshaus an der Außenmühle bestellen möchte, kann sich schon mal auf der neu gestalteten Internetseite www.bootshaus-harburg.de Inspirationen holen. Denn was bis zur vergangenen Woche noch als Gerücht in Harburg brodelte, ist jetzt offiziell bestätigt: Das beliebte Bootshaus an der Außenmühle eröffnet wieder. Vergangene Woche machten Harburgs Bezirksamtsleiter Christian Carstensen und der neue Betreiber, Torben Kostiuk, Nägel mit Köpfen und luden die Harburger Medien zur Unterzeichnung des Nutzungsvertrages ein. Dem Anlass entsprechend zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite und gab schon mal einen Vorgeschmack auf das, was die Gäste zukünftig hier erleben können: „Hier trifft moderne Gastronomie auf idyllische Natur“, heißt es dazu auf der Internetseite.
Seit Februar dieses Jahres werkeln Torben Kostiuk und sein Team bereits an der Neugestaltung des Restaurants (der Neue RUF berichtete). Dass er einmal das Bootshaus betreiben würde, davon wusste Kostiuk bis Dezember letzten Jahres noch nichts, bis er den vorherigen Betreiber Heiko Hornbacher zufällig traf. „Ich hab zu ihm gesagt, wenn du in Rente gehst, denk an mich“, erinnert sich der 45-Jährige. Denn Kostiuk, selber ein Harburger Gewächs und zudem ein erfolgreicher Eventmanager und Gastronom, wollte gerne auch in Harburg tätig werden. Da musste Hornbacher nicht lange überlegen, denn da war das Bootshaus schon nahezu zwei Jahre geschlossen. Es folgten viele Gespräche, darunter auch mit Bezirksamtsleiter Carstensen. „Wir haben dann Wege gefunden, wie wir das alles so bauen und renovieren können, dass es behördlich passt“, freut sich Kostiuk. Und auch Carstensen zeigt sich sehr zufrieden: „Das hier ist ein wichtiger Ort für die Harburger!“ Und auch in Bezug auf das hundertjährige Jubiläum des Stadtparks, das in diesem Jahr ansteht, sei das ein wichtiger Schritt.
Doch bis zur endgültigen Eröffnung, die für Ende April angestrebt wird, ist noch einiges zu tun: Im Inneren müssen Wände verkleidet werden, so manches Kabel schaut noch aus den Wänden und die neue Terrasse ist auch noch im Werden. Zum Schluss sollen im Restaurant innen dann rund 60 Gäste, auf der Terrasse rund 80 Gäste Platz nehmen können. Freuen dürfen sich die Harburger dann nicht nur auf Deutsche Küche, sondern auch auf eine Eisdiele, die nicht nur die Kinder mit allerlei Leckereien versorgen wird.
Und mit der neuen Betriebsleiterin zaubert Torben Kostiuk noch ein Ass aus dem Ärmel: Waltraud Hörlberger wird die Geschicke des Bootshauses leiten. Bekannt ist sie vielen Harburgern noch als Wirtin des Goldenen Engels im Binnenhafen, außerdem hat sie lange das Außenmühlenfest mitorganisiert. „Ich freue mich, ein Teil hiervon zu sein und den Harburgern eine Freude zu machen. Das hier ist ein wunderbarer Ort mit einer tollen Aura, einer tollen Ausstrahlung, wo man die Seele baumeln lassen und Freunde treffen kann“, so Hörlberger.
Ebenfalls sollen zukünftig auch die beliebten Tretboote wieder zum Einsatz kommen. Aber das ist erst für 2027 geplant, erstmal stehe das Restaurant im Fokus. Dass Torben Kostiuk mit der Wiedereröffnung auf große Resonanz stößt, merke er übrigens jeden Tag, verrät er. „So 40 bis 50 Menschen täglich bleiben stehen und fragen, wann es denn endlich wieder losgeht. Ich bin wirklich sehr positiv überrascht!“