„Wir würdigen ihren Mut und ihr unermüdliches soziales Engagement!“

Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte Ralf Neubauer und Ramona Mechau bei der offiziellen Einweihung der Rosa-Kiela-Weiß-Straße in Georgswerder Fotos: au

„Wir würdigen ihren Mut und ihr unermüdliches soziales Engagement!“.

Rosa-Kiela-Weiß-Straße eingeweiht.

Ramona Mechau hat Tränen in den Augen, als sie von ihrer Mutter Rosa Kiela Weiß erzählt. „Meine Mutter war eine herzensgute Frau“, so die 72-jährige Sintiza. Gemeinsam mit Ralf Neubauer, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte, und einigen Anwohnern steht sie am vergangenen Dienstagmorgen in der Rahmwerder Straße auf Höhe des Neubaugebiets Kirchenwiese. Der Grund: Aus der bisherigen „Planstraße A“, einem rund 135 Meter langen Weg zwischen der Rahmwerder Straße und Langenhövel, wird die „Rosa-Kiela-Weiß-Straße“, Neubauer und Mechau weihen diese gemeinsam ein. „Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus war lange Zeit nur wenig im öffentlichen Bewusstsein präsent. Dabei ist die Sinti-Gemeinde in Hamburg tief verwurzelt. Mit der Rosa-Kiela-Weiß-Straße geben wir dieser Geschichte einen festen Platz. Wir erinnern an das Schicksal von Rosa Kiela Weiß und würdigen ihren Mut und ihr unermüdliches soziales Engagement“, erklärt Ralf Neubauer.
Das, was Amanda Mechau (geboren 10. August 1913, verstorben 11. Mai 1984), genannt Rosa Kiela Weiß, in der Zeit des Nationalsozialismus erlebt hat, steht dabei dabei exemplarisch für das, was viele der Sinti und Roma erleiden mussten. Bekannt war Rosa Kiela Weiß als Kurzwarenhändlerin, die in Wilhelmsburg und Harburg ihre Kunden mit Nadel, Faden, Knöpfen und vielem mehr versorgte. Als Sintiza wurde sie im Mai 1940 vom Hannoverschen Bahnhof mit ihrer Familie von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Belzec deportiert. Zwei ihrer Kinder starben dort einen grausamen Hungertod. Rosa Kiela Weiß und ihr Ehemann überlebten. Nach dem Krieg nahm sie ihre Händlerinnentätigkeit wieder auf und begegnete auf ihren Geschäftswegen durch Wilhelmsburg und Harburg vielen, die im Krieg alles verloren hatten. Rosa Kiel Weiß half, wo sie konnte. Ihr Markenzeichen war eine Rose im Haar, der sie ihren Spitznamen „Rosa“ verdankt. Sie war bekannt für ihre zupackende Art und Großherzigkeit.
Ramona Mechau erinnert sich lebhaft daran. „Einmal kam sie an die Tür einer Kundin, die aber war nicht da. Nur ihre fünf Kinder, die hatten nichts an. Die Mama ist weg, zum Vater ins Krankenhaus, erklärten die Kinder. Da sagte sie ihnen, macht die Tür nur auf, wenn ich klopfe. Dann ist sie losgegangen, hat Brot, Rama, Marmelade, Leberwurst und sogar Kohle gekauft, sodass die Kinder erstmal versorgt waren. Und sowas hat sie nicht einmal gemacht, das hat sie sie oft gemacht“, erzählt sie stolz über ihre Mutter.
Kurze Zeit später, Ortswechsel, ein paar Straßen weiter: Ramona Mechau sitzt in ihrem kleinen Haus im Georgswerder Ring, Schwiegersohn und Musiker Kako Weiß ist auch dabei. Vor ihr ein sehr altes Fotoalbum, darin unzählige Bilder ihrer Familie. Und immer wieder Aufnahmen von Rosa Kiela Weiß: Als kleines Kind, als junge Frau, als Frau, die ein schweres Schicksal hinter sich hat. Den Tod ihrer Kinder habe sie nie verkraftet, deswegen habe sie sich auch nach dem Krieg so für das Wohl von Menschen, insbesondere von Kindern eingesetzt, weiß ihre Tochter.
Mit dieser Straßenbenennung, die übrigens auf Initiative vom Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel zurückgeht, würdigt Hamburg nun erstmals eine Angehörige der Hamburger Sintis: „Ich freue mich, dass sie uns Zigeuner nicht vergessen haben“, so Ramona Mechau in Richtung Bezirksamtsleiter Neubauer.



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