„Konkretes Planungsverfahren unumgänglich“

„Konkretes Planungsverfahren unumgänglich“.

Lösung für Radweg Neu Wulmstorf-Buxtehude in Sicht?.

Diese Pressemitteilung des regionalen Amtes für Landesentwicklung Lüneburg vom 5. Juli sorgt für Kopfschütteln in der Politik. Es geht um den Radweg zwischen Buxtehude nach Neu Wulmstorf. Die einfachste und für den Laien auch nachvollziehbarste wäre entlang der Bahnlinie. Aber da haben die Umweltverbände ihr Veto eingelegt – der hier angeblich vorkommende Wachtelkönig (crex crex) würde durch die Radfahrer gestört werden.
Lange Zeit schien die Situation verfahren – Politik und Bürger wollten den Radfahrweg, die Verwaltung und Umweltverbände nicht. Nun deutet sich eine Lösung an. Der Arbeitskreis „Besucherlenkung Moore bei Buxtehude“ in der Flurbereinigung Rübke hat dafür jetzt eine Machbarkeitsstudie vorgelegt und darin drei Varianten für eine neue Wegetrasse durch das Naturschutz- und EU-Vogelschutzgebiet vorgeschlagen. Die direkte Verbindung entlang der Bahnlinie wird dabei aus ökologischen Gründen aber nach wie vor als die Unglücklichste angesehen. „Bei allen drei Vorschlägen war es uns wichtig, dass die Natur und insbesondere der dort beheimatete Wachtelkönig möglichst wenig beeinträchtigt werden“, erklärt Bernd Beitzel vom Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg (ArL). Dafür müssten bestehende Wege unterbrochen und neugestaltet werden, sodass zusammenhängende, beruhigte Zonen innerhalb des Naturschutzgebietes entstehen. „Allen Akteuren in diesem Arbeitskreis ist es sehr wichtig, dass Vorkehrungen getroffen werden, um die Wirkung der Besucherlenkung zu kontrollieren“, so Beitzel, der im ArL als Dezernatsleiter für die Flurbereinigung verantwortlich ist. Der Arbeitskreis mit Vertretern aus Fachbehörden für Naturschutz und kommunalen Vertretern wurde von der Flurbereinigungsbehörde geleitet. Das Gremium hat seine Arbeit mit der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie nun abgeschlossen. „Für die Realisierung einer dieser Wegevarianten ist ein konkretes Planungsverfahren unumgänglich. Dazu muss sich zunächst ein Planungsträger bereiterklären“, so die vom Lande beauftragte Monika Scherf. Das könne zum Beispiel eine der beteiligten Kommunen sein. Das ArL Lüneburg hatte gemeinsam mit den Fachbehörden für Naturschutz die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, weil der Lückenschluss im landwirtschaftlichen Wegenetz aus naturschutzfachlichen Gründen an der Bahnlinie gescheitert war. Die Studie sollte prüfen, inwieweit man die Wege innerhalb des Naturschutzgebietes ausdünnen und neugestalten könne. Die direkte Radwegeverbindung zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf ist dabei ein Ergebnis.
Die vollständige Studie wird im August vorliegen. Sie macht den Weg frei für eine radfahrtaugliche Verbindung zwischen den beiden Kommunen. Eine endgültige Antwort kann jedoch nur das Planungs- und Genehmigungsverfahren einschließlich einer FFH-Verträglichkeitsprüfung liefern, heißt es in der Presse-Mitteilung.
Die angekündigte Lösung des vermeintlichen Problems hat den SPD-Fraktionsvorsitzenden in Neu Wulmstorf zu einem kritischen Kommentar veranlasst. „In der aktuellen Pressemitteilung vom 5. Juli des regionalen Amtes für Landesentwicklung wird auf andere Wegevarianten hingewiesen. Nicht nur ich, sondern auch andere ehrenamtliche Kommunalpolitiker fragen sich, welche das denn sind? Das Verfahren wird als schwierig bezeichnet. Eine richtige, aber nicht neue Erkenntnis. Mir fehlt der Hinweis „wie es geht“, und nicht, wie beschrieben, „was alles nicht geht“. Dem Bürger ist es nicht zu vermitteln, dass hier ein paar hundert Meter langes Teilstück an der Bahnlinie aus ökologischen Gründen nicht umgewidmet werden darf. Als Bürger erlebt man, wie beim Straßenbau die Kreativität scheinbar grenzenlos ist, warum nicht auch hier über besondere bauliche Abgrenzungen zum Vogelschutz diskutieren. Um Wohngebiete werden Katzengräben errichtet, wenige hundert Meter Radweg sind nicht hinzubekommen, mir fehlen die Worte“, erklärt Handtke.
Nun würden die Kommunen als Planungsträger ins Spiel gebracht. Natürlich werden die Gemeinden ihrer Pflicht nachkommen. Das Thema Radschnellwege sei ein ganz wichtiger Baustein für die Mobilität von morgen, vor dem Hintergrund der E-Bike-Mobilität ohnehin. Dieser Radschnellweg sei formal nicht Bestandteil des Lenkungskreises, aber er erhöht doch die Bedeutung dieser gesamten Verbindung Richtung Harburg. Mir fehlt hier die Erklärung und Einsatz des gewählten und zuständigen Landtagsabgeordneten Bernd Althusmann, der ganz nebenbei auch als Verkehrsminister Verantwortung trägt, moniert der SPD-Politiker.
„Ich erwarte keine Wunder, aber mehr Verständnis und Vermittlung für die Interessen der Menschen, die schon jetzt wegen überlasteter ÖPNV-Verbindungen mit dem Rad zur Arbeit fahren. In der Tat, das tue ich auch, und auch wenn mein Weg nicht nach Buxtehude zur Arbeit führt, sondern nach Hamburg, gilt es, den Blick über den Gemeinderand hinaus zu werfen. Wie wollen wir Radschnellwege umsetzen, wenn wir hier keine angemessene Lösung erzielen? Es wurde mit dieser Pressemitteilung, ohne den Hinweis auf die Wegevarianten, mehr Unruhe als Zuversicht vermittelt. In dem gesamten Verfahren höre und lese ich seither von den Naturschutzverbänden gar nichts zu dem Thema. Hier geht es um gute Kompromisse im Sinne einer ökologischen Mobilität. Der Wachtelkönig lacht uns aus. Klimaschutz beginnt genau dort!“, sagt Handtke abschließend.



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