Festakt: 120 Jahre Marinekameradschaft Harburg

Einer der zahlreichen Gratulanten, die Michael Pahlke (re.) im Harburger Rathaus empfing war Ivan Khotulev, Generalkonsul der Russischen Föderation. Fotos: pm

Weltoffene maritime Tradition
Festakt: 120 Jahre Marinekameradschaft Harburg

(pm) Harburg. Vor dem Rathaus feierten gut gelaunt und ausgelassen die jungen Männer und Frauen, die gerade eine feste Verbindung eingegangen waren und den Bund fürs Leben geschlossen hatten – nicht minder feierlich ging es gleichzeitig im Rathaus zu, denn dort feierten diejenigen, die auf einen Bund, wenn auch ganz anderer Art, zurückblickten: 120 Jahre Marinekameradschaft Harburg (MKH).

Die Senatorin Melanie Leonhard zitierte Passagen aus einem Buch von 1910

Aus gegebenem Anlass hatte sie zu einem festlichen Empfang in den großen Festsaal des Rathauses eingeladen. Unter den zahlreich geladenen Gästen der Jubiläumsfeier waren auch die Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), Harburgerin und Schirmherrin der MKH, sowie Ivan Khotulev, Generalkonsul der Russischen Föderation. Sie und weitere Gäste aus Politik, Wirtschaft und Marine begüßte Michael Pahlke, 1. Vorsitzender der MKH.
Als Hausherr gratulierte als erster der Bezirksamtsleiter Thomas Völsch. Die Kameradschaft länger als ein Jahrhundert lebendig gehalten zu haben, sei eine Leistung, die hohen Respekt verdiene, betonte er.

Michael Pahlke

Darüber hinaus praktiziere die MKH in nicht immer leichten Zeiten Völkerverständigung. Sein Wunsch für den Jubilar: „Machen Sie weiter so und bleiben Sie gute Botschafter von Stadt und Bezirk.“

„Seefahrt hat viel mit Leidenschaft zu tun, auch im wortwörtlichen Sinne“, führte indessen die Senatorin aus. Das Thema ist ihr vertraut, lautete doch der Titel ihrer Dissertation „Die Entwicklung eines Familienunternehmens: Die Reeder- und Schiffbauerfamilie Rickmers im deutschen Schiffbau und der deutschen Schifffahrt von 1834–1918.“ Was war für sie daher naheliegender, als in ihrem Grußwort den Bogen von der kaiserlichen Marine bis zur Marine des Jahres 2017 zu schlagen, getreu dem Motto, dass der Heimatdichter Gorch Fock im Jahr 1913 mit seinem Roman „Seefahrt ist not!“ geprägt hat. Aus ihrem Bücherschrank hatte sie ein Marinealbum aus dem Jahr 1910 mitgebracht, um daraus Passagen zu zitieren. Die Senatorin bekundete ihren großen Respekt vor den Männern der Marine und konkret für den Einsatz der Männer der MKH (eine einzige Frau findet sich in ihrem Mitgliederverzeichnis), „die die MKH durch ihre Arbeit täglich neu begründen.“ Als Geschenk hatte sie nichts Materielles mitgebracht, sondern einen Fach-Vortrag mit dem Thema „Deutschland zur See.“

Michael Setzer, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg

Unter den Gratulanten waren auch die beiden Harburger Bundestagsabgeordneten Herlind Gundelach (CDU) und Metin Hakverdi (SPD), sowie der Ex-Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg (CDU), heute Chef von Lotto Hamburg. Gundelach würdigte die MKH als festen Bestandteil Harburgs. „Mit der Marine die Welt entdecken und verstehen“, lautete ihr Leitfaden.
Die Marinekameradschaft mit ihren ausschließlich ehrenamtlich tätigen Mitgliedern hat zu ihrem Jubiläum eine bemerkenswerte Festschrift heraus gebracht. Dort schreibt ihr Vorsitzender Michael Pahlke: „Wir pflegen die Verbundenheit zwischen den Angehörigen der seefahrenden Berufe und der Bevölkerung, Traditionen, Tugenden und Gebräuchen der Seefahrt, die Kameradschaft und auch Geselligkeit“ (wie zum Beispiel der alljährliche Internationale Ball der Seefahrt im Hotel „Lindtner“, zum nächsten Mal am 2. Dezember). Mithin widerspiegele der Jubilar alle Teile der Gesellschaft.
Durch diese Aktivitäten seien Verbindungen mit Schiffseinheiten und Personen in der ganzen Welt entstanden, die nicht nur von den Altvorderen, sondern auch heute unverändert gelebt wurden und werden. Als Beispiel sei an dieser Stelle lediglich die Freundschaft mit der Besatzung der Schulschiffes „Brazil“ aus Brasilien genannt, das regelmäßig im Hamburger Hafen festmacht und dessen Besatzung dann zum Feiern und gegenseitigen Austausch und Kennenlernen nach Marmstorf eingeladen wird, wo Michael Pahlke (wie auch sein langjähriger Vorgänger im Amt, Manfred Völkel) zuhause ist. Pahlke weiter: „120 Jahre Marinekameradschaft sind eine lange und traditionsreiche Zeit, in der es durch Höhen und Tiefen ging, oder, um es maritim auszudrücken, fuhren wir durch ruhige See genauso wie durch rauhe See mit Wellengetöse.“ Der Blick nach vorne sei nach seinem Verständnis jedoch der wichtigste Punkt. „Gemeinsam sind wir stark und können etwas bewegen“, gibt er sich zuversichtlich.
Bei den Vorbereitungen für die Jubiläumsfeier lag es nahe, auch wieder einmal einen Blick in die Stammrolle der am 10. Dezember 1897 gegründeten MKH zu werfen, berichtet ihr Sprecher Rainer Kurda. Dort sind alle Mitglieder und Aktivitäten bis heute säuberlich aufgelistet – eine bemerkenswerte Zeit-Chronik. Gründungsvorsitzender war demnach der königliche Baggermeister Franz Gazinski mit 41 Gleichgesinnten. Alte Satzungen, Vorstände, zeitgeschichtliche Dokumente, Fotos, Protokolle und Schriftwechsel sowie Zeitungsberichte legen Zeugnis der Aktivitäten der Männer ab, „die maritimes Gedankengut bejahen und pflegen.“
Wie das konkret aussieht, erläuterte in seinem Grußwort Michael Setzer, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg: Als Mitglied im Deutschen Marinebund sei die MKH ein wichtiger Mittler zwischen Harburg und der Deutschen Marine und lege dabei eine bemerkenswerte weltoffene maritime Tradition an den Tag.
Mit einem Fachvortrag gratulierte auch Elmira Mitschailow, Kunsthistorikerin vom Auswanderermuseum BallinStadt dem Jubilar.
Für den entsprechenden musikalische Rahmen dieses Festaktes sorgte der Polizeichor „Blaue Jungs.“

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